TEJAL SHAH
UNBECOMING

Kunsthaus Hamburg
25. Oktober – 3. Dezember 2017

Kuratiert von Chus Martínez
(Hochschule für Gestaltung und Kunst, Basel)

 

PROGRAMM (in englischer Sprache)

Filmscreenings
Samstag, 21. Oktober, 18 Uhr, HFBK, Hörsaal 229
Other Species, Other Times
Filmprogramm, kuratiert von Lalitha Gopalan und Anuj Vaidya, 60 min

Sonntag, 22. Oktober, 18 Uhr, HFBK, Hörsaal 229
Koi Sunta Hai: Journeys with Kumar & Kabir (Someone is listening)
Dokumentarfilm, Regisseurin: Shabnam Virmani, 96 min, 2008, Sprache: Hindi, Malwi & Englisch mit englischen Untertiteln

Lecture-Performance
Mittwoch, 25. Oktober, 18 Uhr, HFBK, Aula
Tejal Shah und Shabnam Virmani im Gespräch
 


Die künstlerische Praxis der aus Indien stammenden Künstlerin Tejal Shah (*1979, Bhilai) umfasst Video, Fotografie, Performance, Zeichnung, Sound und Installation. Ihre Arbeiten vermitteln ein vielschichtiges Bild von den wechselseitigen Beziehungen zwischen Gender, Ökologie, Wissenschaft, Sexualität und Bewusstsein. Shah bezieht sich in ihrer Auseinandersetzung auf queere, feministische sowie buddhistische Konzepte und stellt vor diesem Hintergrund generell dualistische Kategorisierungen (wie zum Beispiel Mann/Frau, Mensch/Natur) in Frage. Dabei bezieht sie relevante Überlegungen zu Gewalt und Macht einerseits, und zu Liebe und Regeneration anderseits, ein. Tejal Shahs künstlerische Position zeugt besonders vor dem Hintergrund ihres Heimatlandes Indien von Mut und ist von herausragender Qualität und Eigenständigkeit geprägt.
 
Im Kunsthaus Hamburg wird Shah ihre 5-Kanal-Videoinstallation Between the Wavesraumgreifend präsentieren. In der Installation, die auf der dOCUMENTA (13) ihre Premiere hatte, entwickelte die Künstlerin ihre Vision einer Welt, die mit den herkömmlichen Vorstellungen von Körperlichkeit und Bewusstsein bricht und in der sich die Grenzen zwischen Mensch, Natur, Kultur und anderen Spezies auflösen. Auf ihrer kompromisslosen Suche nach Nähe formieren sich die im Film dargestellten Mischwesen ganz unbefangen und intuitiv zu rituellen Begegnungen. Die Künstlerin präsentiert ihre radikale Vorstellungswelt als Utopie und Dystopie zugleich. Neben der Videoinstallation zeigt das Kunsthaus Hamburg thematisch anknüpfende Collagen sowie eine Serie neuer Zeichnungen, die sich mit dem Bodhisattva als wesentlicher Figur und als Ideal des Mahayana Buddhismus befassen.
 
In Zusammenarbeit mit der Hochschule für bildende Künste Hamburg HFBK (Prof. Michaela Melián) wird Tejal Shah im Rahmen von zwei Filmscreenings den spezifischen kulturellen Kontext erläutern, in dem ihre Arbeiten entstehen. Als besonderen Gast hat sie dazu die indische Regisseurin und Sängerin Shabnam Virmani eingeladen, deren Filme sie ebenfalls präsentieren und in einem Künstlergespräch erläutern wird. In den Arbeiten der beiden Künstlerinnen lassen sich viele thematische und gedankliche Anknüpfungspunkte finden. Gemeinsam werden sie einen eintägigen Workshop für die Studierenden der HFBK geben.
 
Einblick in ihre aktuelle Forschung wird Shah in Form einer Lecture-Performance am 25. Oktober an der HFBK gewähren. Seit über zwei Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit den Grundlagen des tibetanischen Buddhismus und der Philosophie des „Mittleren Weges“, die auf die antike Nalanda-Universität zurückzuführen ist. Sie bezieht sich damit auf eine noch heute lebendige, spirituelle Tradition, welche die Künstlerin als eine der nachhaltigsten und wissenschaftlich anknüpfungsfähigsten Perspektiven auf die Wirklichkeit und das Bewusstsein beschreibt. Das besondere Interesse Tejal Shahs gilt der praktischen Anwendung der Erkenntnisse aus diesem buddhistischen Wissenskomplex und seiner Relevanz für die Möglichkeit eines Lebens im Gleichklang. Von ihrer besonderen Form der künstlerischen „Forschung“ wird sie in Hamburg zum ersten Mal öffentlich berichten und ihr Werk ebenso wie Shabnam Virmani in einer Präsentation vorstellen. Als Ergänzung zur Ausstellung wird damit ein besonderer Einblick in die Arbeitsweisen der beiden Künstlerinnen, die jeweils auf ihre Weise einen ebenso kritischen wie maßgeblichen Bezug zu den Kulturen Indiens haben, ermöglicht.

Tejal Shah (*1979, Bhilai, Indien) hat am Royal Melbourne Institute of Technology, Australien sowie am Art Institute of Chicago und am Bart College in New York, USA studiert. Sie hat an zahlreichen internationalen Ausstellungen teilgenommen und ihre Filme auf Festivals präsentiert; darunter das Museum of Modern Art, Oslo (2016/17), Whitechapel Gallery, London (2014), dOCUMENTA (13) (2012), Centre Pompidou (2011) und Tate Modern (2006). Sie war beteiligt am Projekt „Indian Highway” (2009) an der Serpentine Gallery, London, Ullens Center for Contemporary Art, Beijing, MAXXI, Rom, Astrup Fearnley Museum of Modern Art, Oslo sowie am Musée d’Art Contemporain de Lyon.