Die L-Phi ist fertig und in Betrieb

Eine Woche waren die Schlagzeilen rund um die Welt einmal nicht nur von Krisen beherrscht, Hamburg hatte sich einen veritablen Platz in den Medien erkämpft.

Von der Lachnummer zum Vorzeigeprojekt, fast alle Kritiker verstummt. Verwunderung allenthalben über dieses großartige Bauwerk und über Hamburg als Stadt, die dieses Riesenprojekt trotz aller Widrigkeiten doch noch zu einem glorreichen Abschluss gebracht hat.

Weit über 300 Journalisten aus aller Welt ließen sich von Bürgermeister Olaf Scholz den neuen Stolz der Stadt zeigen und den alten Stolz der Hansestadt erklären. „Nein, Hamburg würde niemals auf die Idee kommen, für ein Konzerthaus beim Bund nach Mitteln zu fragen“, lautete die Antwort von Scholz auf die Frage eines französischen Journalisten, warum denn die Stadt ganz allein die exorbitante Summe aufgebracht habe. Ein Fakt, der weltweit für Verwunderung sorgte, im zentralistisch geprägten Frankreich ebenso wie in Großbritannien.

Ausgaben dieser Größenordnung erwartet man in den Hauptstädten und nicht abseits. Ein wenig Neid ob dieser Fähigkeit Hamburgs war dann auch zu merken: im russischen Fernsehen hieß es, dass Hamburg die reichste Stadt Deutschlands sei, in der BBC, dass die Klobürsten 300 Euro das Stück gekostet hätten, und im Münchener Abendblatt, dass man ja nur deswegen nicht einen so großartigen Bau wie die Elbphilharmonie habe, weil man ja Rücksicht auf das Umland nehmen müsse. Spätestens mit der Eröffnungsübertragung im Fernsehen ist es auch in Hamburg klar: Die Elbphilharmonie ist im Olymp der Wahrzeichen angekommen, auch die größten Kritiker sind verstummt und trauen sich allenfalls, in Ja-aber-Nebensätzen noch ein kleines Haar in der Suppe zu finden.

BU: Typisch Elbphilharmonie – in einer untypischen Perspektive, mit der Beleuchtung des Eröffnungstages und den ersten Premierengästen (Foto: TH)

Typisch Elbphilharmonie – in einer untypischen Perspektive, mit der Beleuchtung des Eröffnungstages und den ersten Premierengästen (Foto: TH)

Stolz macht sich breit. Stolz darüber, dass man es den Berlinern mal wieder gezeigt habe –
von den Stuttgartern ganz zu schweigen –, und die Diskussionen schwenken von Millionengrab für eine Elite zu ganz alltäglichen Problemen darüber, dass man es schon wieder nicht geschafft habe, Karten zu ergattern, obwohl man es zu viert gleichzeitig im Internet und einer in der Schlange vor der Elbphilharmonie probiert habe.

Ein echtes Luxusproblem für ein Konzerthaus, und Intendant Christoph Lieben-Seutter versprach bei der Eröffnung, schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen mit neuen Konzerten, Zusatzkonzerten und anderen Strategien bei dem Ticketverkauf. Hehre Absichten, und an Aspiranten unter den Orchestern weltweit dürfte es spätestens nach der Eröffnung nicht fehlen, trotzdem sind die Möglichkeiten natürlich limitiert. Nicht jedes Orchester legt ein fulminantes Konzert ohne Einspielen hin, wie das Chicago Symphony Orchestra, irgendwann muss auch noch geprobt werden und Spielbetrieb rund um die Uhr dürfte die Infrastruktur überfordern. Und dennoch, wer sich einmal den Spaß macht, mit Zahlen zu spielen, wird verblüfft sein: Bis zum Ende des Jahres könnten rund eine Million Menschen ein Konzert im großen oder kleinen Saal besucht haben. Eine gewaltige Zahl, die aber durchaus noch Luft nach oben lässt.

Die Oper in Sydney zum Beispiel zieht mit 2.500 Veranstaltungen jährlich rund vier Millionen Besucher an, bei umgerechnet rund 11.000 Besuchern pro Tag wären das in der Elbphilharmonie vier bis fünf Konzerte pro Tag. Allerdings ist das Saal- und Platzangebot in Sydney auch größer und so dürfte Hamburg allenfalls dann, wenn man die Plazabesucher mitzählt, an die Zahlen heranreichen.

Zu Recht darf aber Hamburg auf einen durch die Elbphilharmonie ausgelösten Boom hoffen, auf einen Bilbao-Effekt, und es liegt in der Verantwortung des Senates, daraus keinen Barcelona-Effekt werden zu lassen.