Gustavo Dudamel © Luis Cobelo
Titelbild Gustavo Dudamel © Chris Christodoulou

 

Alle neun Sinfonien von Beethoven an fünf Tagen aufzuführen – dieser künstlerischen Herausforderung stellt sich das Orquesta Sinfónica Simón Bolívar unter der Leitung von Gustavo Dudamel vom 19. bis 23. März in der Elbphilharmonie. Die Begegnung des venezolanischen Superstars mit Ludwig van Beethoven verspricht eine außergewöhnliche Konzertwoche. Begleitet wird das Festival von einer Foto-Ausstellung über das Musikvermittlungsprojekt »El Sistema«, aus dem das Orquesta Sinfónica Simón Bolívar hervorgegangen ist: In der Hamburger Zentralbibliothek sind noch bis zum 25. März Bilder des Fotografen Andreas Knapp zu sehen, der die Musiker über mehrere Jahre begleitet hat. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei, die Konzerte in der Elbphilharmonie sind ausverkauft. Für alle Musikliebhaber ohne Karte werden die Konzerte am 21. und 23. März aufwww.elbphilharmonie.de im Live-Stream übertragen.

VON VENEZUELA IN DIE WELT: GUSTAVO DUDAMEL
Vom tiefen Glauben an die Macht der Musik angespornt, reichen Gustavo Dudamels musikalische Betätigungsfelder von den größten Konzertbühnen bis hin zu Klassenräumen und innovativen digitalen Plattformen. Als international renommierter Konzert- und Operndirigent arbeitet er mit zahlreichen der bedeutendsten Musikinstitutionen der Welt zusammen. Als Chefdirigent des Los Angeles Philharmonic Orchestra und gefragter Gastdirigent bei den Wiener und den Berliner Philharmonikern ist das charismatische Energiebündel mit dem wilden Lockenkopf längst auf dem Olymp der Klassikwelt angelangt und hat doch nie seine Wurzeln gekappt. Das vielbewunderte Nachwuchsprojekt des Musikvermittlungsprogramms»El Sistema«, dem Dudamel selbst seine Ausbildung verdankt, leitet er seit seinem 18. Lebensjahr. Nun geht er mit ihm auf Entdeckungsreise durch den Kosmos der neun Beethoven-Sinfonien. In chronologischer Abfolge eröffnet sich eine faszinierende Entwicklung von der noch ganz klassisch angelegten Ersten Sinfonie bis zur Neunten, dem vielleicht wegweisendsten Werk der Musikgeschichte überhaupt. »Wenn wir eine Beethoven-Sinfonie spielen«, so Dudamel, »dann ist das kein hehres Stück Musik, dann ist das eine Geschichte über das Heldentum, ein Kampf um die pure Existenz, dann ist das eine Geschichte aus unserem Alltag«. Der charismatische Dirigent bringt jedoch nicht nur die großen Werke zum Klingen, sondern treibt mit zahlreichen Kompositionsaufträgen auch die Musikgeschichte weiter. Er will möglichst vielen Menschen Musik nahe bringen, nicht zuletzt durch seine Arbeit mit Jugendlichen im Rahmen von »El Sistema«. Das amerikanische Time-Magazin zählte ihn 2009 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt.

REVOLUTIONÄRE KLASSIK

Anfang des 19. Jahrhunderts revolutionierte Ludwig van Beethoven die klassische Musik. Seine Streichquartette und Klaviersonaten, vor allem aber seine neun Sinfonien, wiesen den Weg in eine große Zukunft und sind in ihrer visionären Kraft und Wirkungsmacht unübertroffen. Ebenso revolutionär wie Beethovens Sinfonien ist das Projekt »El Sistema« in Venezuela, das Tausenden von Kindern Instrumente in die Hand gibt – und damit eine Zukunftsperspektive. Die Aushängeschilder dieser weltweit bewunderten Bewegung heißen Gustavo Dudamel und Orquesta Sinfonica Simón Bolívar. Ins Leben gerufen wurde »Das System« vom venezolanischen Dirigenten und Visionär José Antonio Abreu. Das war 1975, zu einer Zeit, als in Venezuela gerade einmal zwei Sinfonieorchester existierten, überwiegend besetzt mit Instrumentalisten aus Europa und Nordamerika. Klassische Musik war der reichen Elite vorbehalten. Diese Strukturen wollte Abreu aufbrechen. Seine Vision war es, die musikalische Ausbildung zu einem Grundrecht zu machen und Kindern auf diese Weise eine Perspektive zu geben. Er gründete das nach dem südamerikanischen Freiheitskämpfer Simón Bolívar benannte Jugendorchester und überzeugte die Regierung, sein Projekt zu unterstützen. Auch Dudamel ist sich sicher: »Wenn jedes Kind einen Zugang zu Kultur hat, wird die Welt ein sensiblerer und besserer Ort sein«.

 

»EL SISTEMA« – FOTO-AUSSTELLUNG IN HAMBURG

Von José Antonio Abreu gegründet, versorgt das einzigartige Musikvermittlungsprojekt »El Sistema« über 800.000 Kinder und Jugendliche aus armen Lebensverhältnissen mit Instrumenten und freiem Musikunterricht. Kern sind die Núcleos genannten Musikschulen des Sistema. An sechs Tagen der Woche können Kinder kostenlos Musikinstrumente und Musikstunden nutzen. Sie werden in musikalische Gruppen, später in Ensembles eingeteilt. Der Fotograf Andreas Knapp hat eines der »El Sistema« Ensembles, das Simon-Bolivar-Orchester, seit 2004 begleitet. Im Rahmen von »Elbphilharmonie Plus« präsentiert er einen exklusiven Einblick in den Alltag der Kinder- und Jugendorchester dieser Initiative. Noch bis zum 25. März sind die Bilder täglich (außer sonntags) von 11 bis 19 Uhr in der Hamburger Zentralbibliothek am Hühnerposten 1 zu sehen. Der Eintritt ist frei.