Buchtipp

„Nachdem Frank das Klebeband von seinen Augenbrauen losgeworden war, hatte er, um sich frisch zu machen, seiner Kleiderkammer einen Besuch abgestattet. Jetzt trug er ein Outfit, das ihm für eine nachmittägliche Spritztour besser geeignet schien: weißer Staubmantel über Chinos und weißem Hemd, Pilotenmütze aus Leder und Fliegerbrille, Seidentuch und ein altmodisches Fernglas um den Hals. Seine Plastikmachete steckte im Gürtel, den Tropenhelm trug er unterm Arm. ‚Willst du so gehen?‘, fragte er mich.

‚Stimmt was nicht?‘ Ich hatte ein T-Shirt an, dazu Bermudashorts und Tennisschuhe, meine Nebraska-via-New-York-Vorstellung dessen, was man in Südkalifornien tagsüber so trägt. ‚Alles‘, sagte Frank. ‚Aber ich weiß genau, was du brauchst. Tartan! Ich hole dir meine Schottenmusterkrawatte.‘“

 

Die junge Verlagsangestellte Alice wird von ihrem Chef nach Los Angeles geschickt, um sich um die Bestsellerautorin Mimi Banning zu kümmern. Diese leidet seit Jahren an einer Schreibblockade, de facto hat sie genau ein Buch veröffentlicht, das sich allerdings millionenfach verkaufte.

In Los Angeles angekommen, stößt Alice nicht nur auf eine zickige und in sich verschlossene Autorin, sondern auch auf ihren kleinen Sohn Frank, der sehr eigenwillig ist. Frank ist neun Jahre alt, fast zehn. Er ist hochintelligent, darf nicht angefasst werden, kleidet sich wie ein Gentlemen, schläft nicht, liebt Filmklassiker und Hausdurchsuchungen – und nimmt alles wörtlich.

Er hasst es, in die Schule zu gehen und hat auch keine Freunde. Kerzen, Streichhölzer und Scheren müssen vor ihm versteckt werden; doch wer Hausdurchsuchungen macht, findet alles.

Mit Alice, der „Haushälterin“, freundet er sich an, zumal sich seine Mutter den ganzen Tag in ihrem Zimmer einsperrt, um zu schreiben. Ab und an gesellt sich Xander dazu, der Klavierlehrer, der kommt und geht, wie es ihm passt.

Wird Alice es unter diesen widrigen Umständen schaffen, dass Mimi ein neues Werk beim Verlag abgibt?

 

„Willkommen in der unglaublichen Welt von Frank Banning“ ist ein bezauberndes Buch, das den Leser in die völlig verrückte Welt eines etwas anderen Kindes entführt. Nicht nur die Ereignisse, die erzählt werden, sind außerhalb der Norm und sehr komisch, auch die Dialoge sind voller Witz und Esprit – und manchmal auch etwas traurig. Dieses Buch eignet sich hervorragend, um aus dem eigenen Alltag im kalten Hamburger Winter zu verschwinden, im sonnigen Los Angeles wieder aufzutauchen und mit den Protagonisten an den Strand oder ins Museum zu fahren. Ein Buch, das man ewig weiterlesen könnte.         AF