Bewohner der HafenCity setzen sich mit zunehmendem Verkehrsaufkommen und Stickoxidwerte in ihrem Wohnumfeld auseinander

Hätte man es nicht wissen können? Laut dem Luftreinhalteplan, der im Juli veröffentlich wurde, verursachen Schiffe 39 Prozent der Stickoxidemissionen in der Stadt Hamburg, für weitere 29 Prozent ist der Kfz-Verkehr verantwortlich. In hafennahen Quartieren wie die HafenCity, der Neustadt oder Altona-Süd liegt die Hintergrundbelastung durch den Hafen um ein vielfaches höher. So liegt die Stickoxidbelastung in der Shanghaiallee mit  37 µg/m³ NO2 im Jahresmittel nah am EU-Grenzwert von 40 µg/m³ NO2 (Mikrogramm pro Kubikmeter).

Über diese Werte informierte die Verkehrs-AG des Netzwerkes HafenCity die rund sechzig Nachbarn, die der Einladung zum Nachbarschaftstreffen gefolgt sind. Aktueller Anlass für die Veranstaltung: die prognostizierten Werte für den Durchgangsverkehr sobald die Versmannstrasse im Osten des Stadtteils geöffnet wird und die Rückstellung des Baus der Großmarktbrücke durch den Senat über den die HafenCity Zeitung im September berichtete. Mit 54.000 Kraftfahrzeugen am Tag rechnen die Experten. Im Vergleich führten die Veranstalter unter anderem die Willy-Brandt/Ludwig-Ehrhard-Straße mit 60.000, die Stresemannstraße mit 50.000 und die Kieler Straße mit 56.000 Kraftfahrzeugen am Tag auf.

Der zusätzliche Verkehr wird, so befürchten sie, dazu beitragen, dass die Grenzwerte nicht nur im eigenen Stadtteil künftig erheblich und dauerhaft überschritten werden.  Als mögliche Maßnahme wurde die Forderung nach Tempo 30 zum Beispiel in der Shanghaiallee andiskutiert. Ein Vorschlag, der nicht bei allen Anwesenden auf  Verständnis stieß. Ein Anwohner gab zu bedenken, dass jeder der in die HafenCity gezogen sei, hätte wissen müssen, was ihn hier erwartet und erhielt für seine Forderung nach  einer Abwägung von gesamtstädtischen Interessen zurückhaltenden Applaus weiterer Anwesenden und Zustimmung von Weisbrod-Weber. Allerdings merkte der Leiter der AG auch an, dass „…die ursprüngliche Grundlage aufgrund dessen viele Anwohner ihre Wohnortentscheidung getroffen hätten, vom Senat verändert worden ist“. Denn die geplante Großmarktbrücke sollte den erwarteten Durchfahrtsverkehr um die Hälfte reduzieren. Dabei gehe es den Mitgliedern der Verkehrs AG nicht darum einen verkehrsfreien Raum vor der Haustür zu erreichen. Die Brückenplanung soll dazu beitragen,  sowohl das eigene Quartier  als auch andere Verkehrsbrennpunkte zu entlasten.

Mit Spannung erwartet Weisbrod-Weber die Ergebnisse der neuen Kosten-Nutzen-Analyse für die Brücke, die von der HafenCity Hamburg GmbH in Auftrag gegeben wurde und die voraussichtlich im Dezember fertig sein wird. In der Zwischenzeit wird die Arbeitsgruppe die Nachbarn weiter informieren.

Zu einer Informationsveranstaltung in dem der Schiffsverkehr im Vordergrund steht,  lädt auch der NABU am 19. Oktober um 18:30 Uhr im Ökumenischen Forum in der Shanghaiallee ein. Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik des Naturschutzbundes Deutschland hält die Maßnahmen des Senats für die Senkung der Belastung durch den Hamburger Hafen für nicht ausreichend und wirft den Verantwortlichen in einer Pressemitteilung vor, dass „…wenn Politik und Verwaltung nicht handeln und weiterhin keine Vorgaben machen, verhalten sie sich grobfahrlässig gegenüber der Wohnbevölkerung in Hafennähe“. „Allein ein Kreuzfahrtschiff emittiert mehrere hunderttausendmal so viele gesundheitsschädliche Stickoxide wie ein PKW“, so Siegert. Ob derartige Aussagen, all die HafenCity Bewohner, die sich gerade aufgrund der Lage für das Wohnen am Hafen entschieden haben, beunruhigt, bleibt abzuwarten. CF