BU: Ausnahmezustand an der Sandtorhafenklappbrücke zur Eröffnung (Foto: TH)
BU: Ausnahmezustand an der Sandtorhafenklappbrücke zur Eröffnung (Foto: TH)

Mit dem Konzertbetrieb kehrt Alltag an der Elbphilharmonie ein, wenn man es denn so nennen kann

So sieht sie also aus, die Normalität nach Eröffnung des Konzertbetriebes an einem Sonntag im Januar. Schon morgens um 11 Uhr startet der Konzertbetrieb im Großen Saal mit einer Wiederholung des Eröffnungsprogramms, um 15:30 Uhr spielt das Ensemble Resonanz im Kleinen Saal und gegen 20 Uhr tritt das Chicago Symphony Orchestra unter Riccardo Muti auf.

Taxis beherrschen das Bild rund um die Elbphilharmonie, zu den Touristen gesellen sich Menschen, die sich feiner gemacht haben für die ersten regulären Konzerte. Gelegentlich gehen die Nerven mit den Autofahrern durch, die auf der Suche nach einem vermeintlich günstigen Parkplatz sind – obwohl die Anzeige des Parkhauses immer noch auf grün steht.

Eine aus der Schweiz stammende Konzertbesucherin lässt ihre Verwunderung über fehlende Sicherheitsüberprüfungen an einem Polizisten aus, die Fußwege schwarz vor Menschen, das Wetter ist gut und viele nutzen spontan die Gelegenheit einen Blick auf die HafenCity und die Elbphilharmonie zu werfen. Anwohner versuchen sich noch an das neue Alltagsbild in der HafenCity zu gewöhnen, man denkt – und hofft –, dass morgen alles wieder wie früher sein wird. Eine Hoffnung, die trügt, der Normalzustand wird eher noch extremer als an diesem Sonntag ausfallen.

Die Eröffnung ging durch alle Medien, nationale wie internationale, überall wird die Elbphilharmonie als Deutschlands neues Wunderprojekt gelobt, nicht nur die New York Times spricht Empfehlungen für eine Reise nach Hamburg aus.

Jeder der eins und eins zusammenzählen kann, kann sich ausmalen, dass der Hype jetzt erst losgeht und eine Welle auf Hamburg zuzurollen beginnt, die die kühnsten Erwartungen der Hamburger Tourismusindustrie übertreffen wird, und die schlimmsten Befürchtungen der Gegner des ungebremsten Fremdenverkehrszirkus Realität werden. Operation Weltstadt Hamburg gelungen, Patient tot? Am Tag davor ein weiterer Baustein in der Arena Kaiserkai: Punkt 14 Uhr wird die Plaza geschlossen, HVV-Busse mit VIPs fahren vor, Touristen kehren unverrichteter Dinge wieder um, Verwirrung macht sich breit.

Business as usual für die Zukunft, genauso wie ein Kaiserkai voller Autos mitten in der Nacht, dessen ungewohnte Geräuschkulisse manch einen Anwohner einen Blick auf die Straße werfen lässt.

Auch hier zunächst der Gedanke daran, dass sich die Situation wieder geben wird. Doch weit gefehlt, alles normal jetzt – es bleibt so.