Das südliche Überseequartier als Visualisierung – hier wachsen die Gebäude in den Himmel (Foto: Unibail-Rodamco/moka-studio)
Das südliche Überseequartier
als Visualisierung – hier wachsen
die Gebäude in den Himmel
(Foto: Unibail-Rodamco/moka-studio)

Vom Finanzkrisen-Biotop zur Investitionsruine?

Was des einen Freud, ist des anderen Leid. Dieser Spruch bewahrheitet sich immer wieder. Im Falle des geplanten Überseequartiers Süd freut sich die Stadt, dass sie endlich einen potenten Investor gefunden hat, der willens und in der Lage ist, fast eine Milliarde Euro in die vom Vorbesitzer hinterlassene Baugrube zu stecken.

Einkaufszentrum, Kreuzfahrtterminal, Kinos, Hotel und Wohnungen sollen entstehen. Baubeginn soll möglichst noch Anfang 2017 sein – je schneller das Loch geschlossen ist, desto eher kann man sich wieder anderen Themen widmen. Klare Interessenlage seitens der Stadt, auch wenn sich schon früh Widerstand gegen die Form und Größe des Einkaufszentrums regte. In unmittelbarer Nachbarschaft der Innenstadt befürchtet diese, unter dem neuen Konzept schwer in Mitleidenschaft gezogen zu werden und Käufer zu verlieren. Strategische Kritiker machen sich mehr Sorgen, ob denn ein Einkaufszentrum dieser Größe überhaupt Zukunft habe– in Zeiten schwächelnder Einzelhandelsumsätze und Strukturwandels nicht ganz unberechtigt –, genau dieser Entwicklung aber will der Investor Unibail mit ebendiesem Einkaufszentrum und darauf ausgerichteten Konzepten entgegentreten.

Nun scheint es dem Beobachter so, dass die Freude des Senats ob des gefundenen Investors zu einigem eiligem Durchwinken bei Änderungen des Bebauungsplans geführt hat. Diese Änderungen haben jetzt eine Initiative auf den Plan gerufen – vorwiegend zusammengesetzt aus unmittelbaren Nachbarn –, die Nachteile durch diese Änderungen für sich und für die Stadtentwicklung befürchtet.Die Kernkritik geht vor allem gegen zusätzliche Geschosse, die auf dem neuen Bebauungsplan jetzt möglich werden, und gegen die Gestaltung und Überbauung von Flächen auf Bodenniveau, die das ursprüngliche stadtplanerische Konzept der HafenCity beschädigen.

Statt der ursprünglich geplanten niedlichen offenen Einkaufsstraße in Form des bisherigen Überseeboulevards entsteht nun ein geschlossenes, den Witterungsverhältnissen besser angepasstes Großeinkaufszentrum, ein durch die immanente Höhe die Nachbarschaft verschattender „Klotz“. Es liegt nahe, dass jede Kritik auch aus persönlicher Perspektive erfolgt – und so ganz neu sind Sorgen dieser und jener Nachbarn in diesem oder jenem Teil der HafenCity aber nicht. Jedes Mal, wenn ein liebgewonnener Blick auf die Elbe durch einen neuen Bauabschnitt verbaut wird, ist die Aufregung groß –
sei es am Anfang bei den Bewohnern des Sandtorkais ob der überraschenden Bebauung des Dalmannkais, sei es nun bei den Bewohnern der zentralen HafenCity, ob der Bebauung des südöstlichen Uferbereiches der Elbe oder sicherlich dann auch bei den Bewohnern des Dalmannkais bei der anstehenden Bebauung des Strandkais, die im Übrigen auch ein wenig höher ausfällt, als ursprünglich geplant.