Die drei Architekten von LOVE während des Gesprächs

Die drei Architekten von LOVE während des Gesprächs

LOVE in der HafenCity

Samstag nachmittag in der HafenCity. Im Haus "Am Kaiserkai 56". Der österreichische Teil der Architekten des Hauses, "LOVE architecture and urbanism" Herwig Kleinhapl, Mark Jenewein und Bernhard Schönherr aus Graz sehen ihr Haus das erste Mal ohne Gerüst und in seiner vollen Pracht. Gebaut und entwickelt wurde das Haus als Arbeitsgemeinschaft mit den Hamburger Architekten von überNormalNull. Zusammen mit ihrer Fotografin und dem Projektleiter vor Ort wollen sie es auf sich wirken lassen. Grund genug einmal nachzufragen wie zufrieden sie mit ihrem Werk sind.

>>Um mal anzufangen, es geht das Gerücht, die weisse Fassade wäre nicht die präferierte Farbe gewesen, sondern auf externe Einflüsse zurückzuführen.

Der Kaiserkai 56 im Dunkeln

Der Kaiserkai 56 im Dunkeln

Nein, auch der ursprüngliche Entwurf war schon weiss, nur zwischenzeitlich war mal mehr Farbe im Gespräch, bis hin zum Extrem von verschiedenfarbigen Balkonen.

>>Was war die Grundidee hinter dem Haus?

MARK JENEWEIN Marketing

MARK JENEWEIN Marketing

Ursprünglich hatte wir dreieckige Balkone an dem Entwurf, das fanden dann aber alle zu extravagant.
Die Erker kamen aus der Idee, die Balkone möglichst weit in den Hafen hineinragen zu lassen. Da hat man uns aber gesagt, nein, das könnt ihr nicht machen, so weit dürft ihr mit den Balkonen nicht raus. Dann sind wir erst in der Bearbeitung auf die Idee gekommen, das man ja die ganze Wohnung aus der Fassade ragen lassen könnte und so die Balkone zu zu machen und statt dessen Erker zu bauen, um die Richtung nach draussen zu bekommen.
In der nächsten Phase sind es immer mehr Erker geworden, weil immer mehr Nutzer einen wollten, weil sie die Qualität eben erkannt haben.

>>Der Blick um die Ecke?

Ja, man kann vor die eigene Wohnung treten und von aussen in die eigene Wohnung hineinblicken


>>War euch klar wie das Umfeld aussehen würde, wenn die HafenCity fertig ist?

Bruchstückhaft, wir sind davon ausgegangen, dass es wie auf der anderen Seiten aussehen würde. Der Bebauungsplan war ziemlich, die Kubaturen sind ja vorgeschrieben, daher war es klar, wohin die Reise geht. Da haben wir als "Ausländer" gesagt das ist uns aber egal, wir glaubten einfach, da muss mehr Biss rein, mehr Glanz, mehr Spass, mehr Freude, mehr positive Haltung und Optimismus. Da haben wir uns ganz absichtlich ein wenig über die Vorgaben hinweggesetzt.

BERNHARD SCHÖNHERR, ARCH SBA DI Produktentwicklung

BERNHARD SCHÖNHERR, ARCH SBA DI Produktentwicklung

>>Ihr seid ja fast die einzigen die einen derartigen Kontrapunkt setzen konnten, was allgemein gut ankommt

Schön zu hören.

Wir waren ja vorher auch zum städtebaulichen Wettbewerb eingeladen, zusammen mit sechs anderen, von daher kannten wir den Masterplan schon und hatten schon eine Vorstellung was auf uns zukommt. Und auch da gab es eine stark kontroverse Diskussion im Rahmen dieses Wettbewerbes über Form und Weg.
Wenn die Bewohner des Hauses nicht sehr stark für unsere Idee eingetreten wären würde es dieses Haus heute so nicht geben. Wenn man das nur mit der Fachjury entschieden hätten, würde das Haus so wie die anderen am Kaiserkai aussehen.
Und als wir hörten welche Architekturbüros hier bauen war die Herausforderunge natürlich groß einen Kontrapunkt zu setzen.

>>Ist das was bisher in der HafenCity gebaut wurde homogen?

HERWIG KLEINHAPL, ARCH DI Geschäftsführung

HERWIG KLEINHAPL, ARCH DI Geschäftsführung

Absolut, sehr homogen. Allein schon durch die Kubaturenbeschränkungen ist es sehr homogen und fast alle benutzen die gleichen Oberflächen. Das einzige was noch raussticht ist diese Ingenhoven-Geschichte vorne (Anm.: Das Oval) und die Leuchturmprojekte.

>>Gab es da nicht Vorgaben? Vorbild Speicherstadt?

Ist uns so streng nicht kommuniziert worden und Wenn, dann haben wir einfach darauf gepfiffen – auf deutsch gesagt. Wir glauben einfach nicht daran, dass es interessant ist so eine steinerne Skulptur wie die Speicherstadt in die Gegenwart zu transportieren und dabei ganz kleine graduelle Anpassungen an das heute zu machen, das finden wir ziemlich "boring". Auch in der Farbtonierung ist es sehr homogen und in der architektonischen Haltung ebenso. Wir haben hier stark auf Indivdualismus gesetzt, auf ein fröhliches Ambiente…

>>War es klar wie exponiert die Lage des Hauses sein würde? Wie konzentriert der Blick vom Baumwall auf das Haus fällt?

Das fällt nur auf, weil es anders ist. Wenn es sich in die Umgebung einpassen würde, würde man es gar nicht wahrnehmen. Wenn man von der anderen Seite die Strasse rauf kommt, das ganz lustig, man hat so das Bild als wenn alles gleich wäre, und dann taucht das Haus auf, zunächst sieht man nur ein paar Balkone, dann siehst du das und das, es wird immer weisser und immer präsenter im Strassenraum, das ist auch für uns ein spannender Effekt, den wir so gar nicht vorhergesehen hatten.

>>An den Modellen konnten man diesen Effekt nicht vorhersehen?

Nein, noch dazu weil es so dreidimensional ist, durch diese unregelmäßigen Balkone und Erker fängt es so an zu flimmern an, aus jeder Perspektive wirkt es sehr unterschiedlich. Die schrägen Wände, die Säulen…

>>Viele Details die auf den ersten Blick gar nicht erkennbar sind?

Man spürt das was anders ist.

>>Wie ist es denn im jetzt in der Realität geworden? Zufrieden? Schon einmal das Thai-Restaurant angesehen?

Nur von draussen reingesehen, Wir sehen es heute das erste Mal. Im großen und Ganzen sind wir sehr glücklich mit dem wie es jetzt geworden ist, so das eine oder andere Detail ist dann zwar nicht ganz so geworden wie es sein sollte…das ist aber normal beim Bau.

>>Nicht so geplant oder nicht so ausgeführt?

Gerhard, der Projektleiter vor Ort

Gerhard, der Projektleiter vor Ort

Nicht so ausgeführt, die Realität hat dann manches Detail abgeschliffen. Aber das Gesamte überzeugt uns auch in der Realisierung jetzt sehr. Aber um es nochmal zu sagen, uns lag es primär nicht daran einen Kontrapunkt zu setzen, sondern unsere Vorstellungen von einem Wohnbau umzusetzen, der den Bewohnern Spass macht. Unser gedanke war: Hier müssen lässige Wohnungen her, das ist eine so tolle Location mit allem was dazu gehört, das muss genutzt werden. Wir haben darüber nachgedacht wie wir selbst wohnen wollten. Die netten Kleinigkeiten, die schrägen Wände und der glitzernde Verputz, oder, oder, oder. Nicht umsonst heissen wir so wie wir heissen.

>>Wie ist es gekommen, das "Love" an der Ausschreibung teilgenommen hat?

Wir waren schon zum städtebaulichen Wettbewerb eingeladen, von daher kannte uns schon einer der Bauherren, dem unsere Entwürfe sehr gefallen hatten und so wurden wir dann auch von ihm für diese Realisierung vorgeschlagen.

Uhrenwecker oder iPod?

Uhrenwecker oder iPod?

>>Wie sah denn der Entwurf von "Love" zum HafenCity-Masterplan aus?

Der ist ganz anders gewesen. Wie kann man Dinge freudvoll benutzen, wie können sie Spass machen, er sah schon sehr anders aus als wie er jetzt ist. Es war uns auch bewußt am Start, das wir mehr für die Kür geladen waren, unser Entwurf war schon sehr viel frecher. Es sollten markante Gebäude an den Spitzen entstehen und diese als Ansatz für unkonventionelle Füllungen für Quartiere mit starkem eigenen Charakter geben, nicht so formell, aus einem Prozess entstanden.

>>Und die Realität – Schlimm?

Wir finden das Projekt sehr spannend, und trotz Kubatur sehenswert. Von dem Gebiet geht einfach eine Dynamik aus, die wir zu Hause auch gerne hätten. Wir sind sehr gespannt, wie das Überseequartier wird und natürlich auch auf die Highlights wie die Elbphilharmonie und das Science-Center.

>>Wie steht ihr denn zu den verschieden Namen, die das Haus jetzt so nach und nach bekommt?

Bekommt das Haus denn Namen?

>>Hundertwasserhaus?

Echt?

>>iPod Haus?

(Gelächter)

>>Uhrenweckerhaus?

(Auch Gelächter)

>>Würstchenbudenhaus? Hintergrund: die Balkons assoziieren die runden Formen der Wohnwagen aus denen früher Würstchen verkauft wurden.

Was?(auch Gelächter) Nenn uns nochmal ein paar optimistischere Namen…

>>Aquariumhaus, Villa Kunterbunt

Sehr auffällig - auch von hinten

Sehr auffällig - auch von hinten

Uns gefällt der "weisse Schwan" besser, der ist doch viel netter, den haben wir vorhin auf der Terrasse gehört.
Grundsätzlich gefällt uns aber der Gedanke, ist eine Auszeichnung, dass das ein Haus ist, welches Namen von den Menschen bekommt – ach, einen haben wir doch noch gehört: James Bond Architektur…

>>Und Blofield wohnt dann darin?

Man sieht aber das Haus bekommt viel Aufmerksamkeit, sowohl bei den Menschen als auch in der Fachwelt. Die Menschen sprechen darüber, fotografieren es, das ist doch schon gut.

>>Gibt es schon positive Rückkopplungen, Menschen die gesagt haben:"Das will ich auch haben!"

Wir haben erst vor kurzem eine Anfrage aus Prag erhalten, von jemandem der sich das Haus hier in der HafenCity angesehen hat und sofort angefragt hat. Und jetzt nach der Ausrüstungen erhalten wir verstärkt Anrufe zu dem Thema. Was uns besonders freut, nachdem wir hier jetzt durch die HafenCity gelaufen sind, ist wieviele Touristen ihren Fotoapparat auf unser Haus richten. Die Wahrnehmung dieser HafenCity-Sache ist schon enorm und das gesamte ist schon eine große Sache, wir persönlich hätten uns aber schon ein wenig mehr Experiment gewünscht, ein bisschen mehr Power.

>>Noch ist ja genug Raum um noch weitere "Love"-Häuser in der HafenCity zu bauen.

Brücke und Schwan

Brücke und Schwan

Aus unserer Sicht natürlich gerne! Und es war ja auch ein angenehmes Arbeiten. Die Zusammenarbeit bei diesem Projekt war schon klasse. Es ist eine feine Geschichte gewesen ein Projekt dieser Größe über diese große Distanz durchzuführen, da die Budgets nicht so gigantisch sind, als das man permanent den Bau hätte beaufsichtigen können, aber es hat gut funktioniert. Auch wie sich die Baugemeinschaft untereinander verhält ist schon super, das wäre bei uns nicht möglich gewesen. So tolerant, demokratisch, sehr disktutiv, gelassen und trotzdem strukturiert.

>>Das Konstrukt Baugemeinschaft ist also empfehlenswert? Das Besondere hat nicht dazu geführt, das es besonders teuer wird?

Absolut, das Modell ist interessant, weil keine Zwischenhändler sich Geld in die Taschen stecken. Und es dürfte für alle Beteiligten eine lohnende Investition gewesen sein, die zu einem guten Preis-/Leistungsverhältnis geführt hat.

>>Vielen Dank

Der Einfachheit halber wurde nicht einzeln gekennzeichnet, welcher der drei LOVE-Architekten geantwortet jeweils hat. Es war ein lebhaftes Gespräch mit drei netten Österreichern mit viel Schmäh, denen man wünscht, das sie noch viele Projekte, auch in der HafenCity, machen. Man sollte sich die Zeit nehmen, das Haus "Am Kaiserkai 56" genau zu betrachten und alle Aspekte zu entdecken. Gelegenheiten dazu wird es auch bei den wechselnden Ausstellungen in der Ausstellungswohnung von Rolf Kellner(überNN) geben.

http://www.love-home.com/

http://www.uebernn.de/