Blick von Westen auf den Kleinen Grasbrook (Visualisierung: Hosoya Schaefer Architects)
Blick von Westen auf den Kleinen Grasbrook (Visualisierung: Hosoya Schaefer Architects)

Sportliche Zielsetzung ganz ohne Olympia

Es war ein echter Paukenschlag, eigens verlegte der Senat die Landespressekonferenz in die HCU: Der kleine Grasbrook auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe soll jetzt doch entwickelt werden, die in Hamburg heilige Kuh Hafen ein Stück weit geschlachtet werden, um Platz für rund 3.000 Wohnungen und 16.000 Arbeitsplätze zu schaffen.

Schon für die Olympiabewerbung sollten hier das Olympische Dorf und die Spielstätten errichtet werden, das war über die Köpfe der Hafenwirtschaft hinweg entschieden und dann letztlich von der Bevölkerung abgelehnt worden. Das Überseezentrum war auch schon damals mehr Faustpfand der Hafenwirtschaft, als wirklich genutzte Wirtschaftsfläche, verlandete Hafenbecken und verrottende Anlagen zeugen vom Niedergang des einst als fortschrittlich gelobten Areals. In langen Geheimverhandlungen fand man nun offenbar einen tragbaren Kompromiss, der Planungssicherheit für die angrenzenden Hafenbetriebe bietet.  Der neue Stadtteil Kleiner Grasbrook wird neben Wohnungen auch Raum für neue Büros, Gewerbegebäude, Forschungsstätten und Labore bieten. Auch Bestandsgebäude sollen dafür genutzt werden. Insgesamt entsteht auf einer Fläche von etwa 46 Hektar mit rund 880.000 qm oberirdischen Bruttogeschossflächen ein Stadtentwicklungsvorhaben, das die Dimension eines guten Drittels der HafenCity haben wird. Es werden mehrere Kilometer öffentlich zugängliche, direkt am Wasser gelegene Bereiche geschaffen. Der Stadtteil Grasbrook wird voraussichtlich drei Quartiere umfassen: das Quartier Moldauhafen für Wohnbebauung in doppelter Wasserlage zwischen Elbe und Moldauhafen, das gemischt-genutzte Freihafenelbquartier, sowie das Hafentorquartier, das den Saalehafen einfasst, den Südraum des Moldauhafens bildet und ausschließlich vielfältigen, gewerblichen Nutzungen mit einer Mischung von neuen und alten Gebäuden vorbehalten ist. Hier können schrittweise Einzelvorhaben entstehen, unabhängig von Lärmschutzfragen, weil die Bauten in diesem Bereich ausschließlich gewerbliche Nutzungen umfassen. Für den neuen Stadtteil gilt – wie bei allen größeren Wohnungsbauvorhaben üblich – dass ein Drittel der Wohnungen öffentlich gefördert werden. Für alle Gebäude werden außerdem hohe Umweltstandards, in Anlehnung an die östliche HafenCity, gelten. Die Entscheidung wurde in der Sache tatsächlich auch von den meisten in der Bürgerschaft vertretenen Parteien begrüßt, trotzdem wurde auch Kritik an der Planung ohne Beteiligung der Öffentlichkeit laut, sowie an der Planung der Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Zwar ist ausdrücklich die Weiterführung der U4 in die neuen Quartiere Teil der Planungen, die Realisierung soll aber tatsächlich erst mit der Fertigstellung des neuen Stadtteils anlaufen. Ein Versprechen, dass schon häufiger in Hamburg nicht gehalten wurde, so die Befürchtung. Verantwortlich für die Entwicklung des neuen Stadtteils Grasbrook wird wie schon in der HafenCity die stadteigene HafenCity Hamburg GmbH sein, mit der Freimachung der Flächen und der Entwicklung der Infrastruktur kann zum Teil möglicherweise bereits 2019 begonnen werden. Von einem Filetstück ist allerdings – zumindest im Moment immer noch nicht die Rede: Die Living Bridge von Hadi Teherani wäre jetzt genau das fehlende Puzzlestück, um den Baakenhafen und den kleinen Grasbrook zu verbinden. n     MB