bildschirmfoto-2016-09-29-um-08-24-19Editorial

 

Herbstliche Ruhe kehrt ein in die HafenCity. Zeit, sich zu sammeln, aufzuräumen und die Dinge winterfest zu machen –
so weit die Theorie. Tatsächlich aber werfen die Dinge, die ab November auf die HafenCity zukommen, ihre Schatten voraus: Reisebusse ziehen ihre Kreise rund um die Elbphilharmonie, immer noch zieht es Touristen schon vormittags in den Schatten von Hamburgs kommender Attraktion. Und ein weiteres Anzeichen kommender Veränderungen ist bemerkbar: Läden machen sich schön, neue kommen hinzu und überall wird gewerkelt, was das Zeug hält. Gute Nachrichten bestimmen das Bild der HafenCity. Die Akustik des Konzertsaales ist grandios, die Orgel eine Sensation, die Eröffnung kann kommen. Schon werden die erwarteten Besucherzahlen nach oben korrigiert – zu recht, denn wenn Versprechen eingelöst werden, lockt das die Menschen in Scharen an. Inzwischen geht man von im Schnitt 35.000 Besuchern pro Tag aus – vorsichtig eingeschränkt auf die nächsten vier Jahre. Das sind rund zwölf Millionen Besucher im Jahr – vielleicht ein wenig optimistisch, aber möglicherweise doch realistisch. Die Konsequenzen sprengen inzwischen die Fantasie aller Beteiligten, zu erwarten ist aber ein Dauerausnahmezustand rund um die Elbphilharmonie. Streicht man mal das Thema Verkehr von der Problemeliste, das Kind ist eh in den Brunnen gefallen, und konzentriert sich auf die Kleinigkeiten und Bedürfnisse der Massen, wird es auch interessant. Zum Beispiel, wenn wir schon beim Thema Bedürfnis sind, wohin mit demselben? Zwischen 800 und 1.200 Besucher sollen stündlich auf die Plaza dürfen, Schlange stehen ist angesagt, doch wo sich erleichtern? Die nächstgelegene öffentliche Toilette ist auf den Pontons des Sandtorhafens, nicht gerade um die Ecke. Zeit für die ultimative Geschäftsidee an der Kaiserhöft: Statt Gastronomie und Andenkenshop ein Bedürfnisshop, die Goldgrube schlechthin. 50 Cent pro Geschäft, minimaler Personalaufwand, geschätzt mal locker ein paar Tausend Euro pro Tag. Wer auch immer die Idee umsetzt: Denkt an die arme Redaktion einer kleinen Lokalzeitung. Bis zum November ist es nicht mehr lang!