Editorial

Als ich wie die meisten meiner Mitstreiter bei der HafenCity Zeitung vor zehn Jahren in die HafenCity gezogen bin, war es für alle eine große Umstellung. Umgeben von Baustellen, provisorischen Gehwegen, Plätzen und Straßen musste man sich erst mal an einen gerade geborenen Stadtteil gewöhnen.

Es war eine tägliche Herausforderung und Veränderung, mit der man umzugehen lernte, eine Reise, bei der man sich bewegen musste. Um einen herum veränderte sich das Panorama fast täglich. Wo heute noch freie Sicht auf Hafenbecken und Elbe war, begann morgen das Baggern und übermorgen der Hochbau – und zack blickte man statt auf Schiffe neuen Nachbarn ins Wohnzimmer. Man gewöhnte sich daran, zumal dann nach einigen Jahren – die Formulierung klingt im Rahmen der HafenCity schon ziemlich seltsam – eine gewisse Statik einkehrte. Lange Zeit gab es dann nicht mehr einmal im Monat eine Grundsteinlegung, Richtfest oder Einweihung, es waren keine Rammgeräusche zu hören, der Lärm auf der Straße rührte nicht mehr von Baustellenfahrzeugen, sondern von Straßenkehrmaschinen. Und dann trifft man, auf irgendeiner Party in Eimsbüttel, per Zufall jemanden, der gerade frisch in die HafenCity gezogen ist, in einen Neubau am Lohsepark, mit Baustellen ringsherum, aus einem alten gewachsenen Stadtteil, und man merkt, wie er – oder sie – noch mit dem neuen Umfeld fremdelt, genervt von den Baustellen ist und der ständigen Veränderung vor seinem Fenster so gar nichts abgewinnen kann. Weichei, denkt man bei sich und gibt den Hartgesottenen – und dann denkt man daran, dass in diesem Jahr die lange Pause vor den eigenen Fenstern ein Ende hat, und hofft, dass man nicht selbst verweichlicht ist und wieder anfängt zu stöhnen und zu meckern.

Na ja, Zähne zusammenbeißen, irgendwann hören sie schon wieder auf zu rammen und dann ist das Schlimmste vorbei. Und – schon bemerkt? Ein Text ohne Elbphilharmonie! Geht doch …

 

Viel Vergnügen beim Lesen!

Ihr Michael Baden