Editorial

Die ersten richtig schönen Frühlingstage sind gerade angebrochen, blauer Himmel, frische Luft, Hamburg zeigt sich von seiner schönsten Seite, und die Stadt ist voller Touristen aus aller Welt. So stellt man sich eine internationale Metropole vor, tolerant und weltoffen, man kommt mit Menschen aus aller Herren Länder in Kontakt, ohne Angst – das Leben könnte so schön sein.

Blickt man in die Welt hinaus, sieht das Bild schon sehr viel düsterer aus. Brexit, Trump, Erdogan, Putin, Le Pen, AfD – isolationistische Tendenzen, wohin das Auge blickt. Als echter Hanseat ist man auch immer ein Verfechter der großartigen europäischen Idee eines Kontinentes ohne echte Grenzen, mit einer Währung, ohne Zollschranken, mit gemeinsamen Werten, und man will nicht verstehen, warum man diese Errungenschaft so leichtfertig wieder aufs Spiel setzen will.

Hamburg als internationale Handelsstadt ist dabei so etwas wie eine europäische Mustermetropole, in ihrer Geschichte war es schon immer so. Genau diese Idee mag die Stadtväter dazu bewegt haben, sich für den G20-Gipfel im Sommer zu bewerben. Wo, wenn nicht in Hamburg, kann eine solche Veranstaltung auf eine gastfreundliche Gesellschaft treffen, ohne Anschläge und ohne Hass? Nun wäre es eine Illusion, anzunehmen, dass Hamburg eine Insel der Glückseligen ist. Schon kündigen Gegner des G20-Gipfels auch gewalttätige Proteste an, es steht zu befürchten, dass das Bild Hamburgs Schaden nimmt. Friedliche Demonstrationen? Ja klar! Aber Gewalt? Wir befinden uns nicht im Krieg, es herrscht Meinungs- und Pressefreiheit, was geht da in den Köpfen dieser Menschen vor? Natürlich sind unter den Gästen des Gipfels auch Politiker, gegen deren Politik man demonstrieren kann, aber Gewalt würde nur das simple Weltbild jener bestätigen, die eben nicht fest in einer freiheitlich demokratischen Grundordnung verankert sind. Mit Gewalt wurden noch nie Probleme gelöst. Seid kreativ und zeigt, dass es in Hamburg auch anders geht.

 

Viel Vergnügen beim Lesen!

Ihr Michael Baden