Editorial

Es ist eine immer wiederkehrende Diskussion, ob Hamburg nun Weltstadt ist oder nicht, aufgewärmt zu jeder Gelegenheit, sei es nun anlässlich des G20-Gipfels oder nur, weil gerade mal wieder der Konkurrenzkampf zwischen Berlin und Hamburg ausgebrochen ist. Aber was macht denn nun eine Metropole aus? Aus der externen Sicht ist die Frage ziemlich eindeutig beantwortet: Je häufiger man erklären muss, wo man herkommt, desto weniger ist die Stadt eine bekannte Weltstadt. Die Elbphilharmonie-Eröffnung hat das schon einiges getan, zumindest bei der kulturaffinen Minderheit unter der Weltbevölkerung. So richtig nach vorne gebracht hat Hamburg aber tatsächlich der G20-Gipfel. Schon im Vorfelde waren selbst im entfernten Delhi Berichte über Hamburg zu lesen. Für den Hamburger selbst ist es einfacher: Seit Jahrhunderten treibt der Hamburger „Pfeffersack“ Handel mit der ganzen Welt, auf dieser Ebene sind Erklärungen schon lange überflüssig. Dass Hamburg aber wesentlich mehr zu bieten hat als Handelshäuser und Reedereien, setzt sich jetzt international beim breiten Publikum durch. Rund um Elbphilharmonie und Alster platzen die Hotels aus allen Nähten, ein Rekord jagt den nächsten, gerade die Übernachtungszahlen der internationalen Gäste steigen mit sichtbaren Effekten. Asiatische Gäste kaufen im Neuen Wall ein, in der HafenCity beginnt die Welt sich in Immobilien einzukaufen, an manchen Tagen befindet sich der deutschsprachige Tourist an der Elbphilharmonie in der Minderheit. Englisch, chinesisch und die skandinavischen Sprachen, die Welt besucht Hamburg – und nicht zuletzt wegen der HafenCity und ihrer nach außen wirkenden modernen Architektur, trotz der innerstädtisch weiter geführten Diskussion, ob man sich denn mal was trauen soll oder weiter in kleinstädtischer Backsteinromantik verharren sollte. Von außen stellt sich die Frage nicht, niemand versteht eine Diskussion wie zum Beispiel zum geplanten über 200 Meter hohen Tower an den Elbbrücken, je gewagter desto besser. Wie man schon an der Elbphilharmonie sieht: Wagen und gewinnen, auch wenn das mehr der Wahlspruch der Bremer Konkurrenz ist.

 

Viel Vergnügen beim Lesen!

Ihr Michael Baden