Editorial

Die Anzeige steht auf grün, morgens, mittags und abends, eigentlich immer. Davor wälzen sich die Autos durch den Kaiserkai, am Wochenende hat man manchmal das Gefühl, an der Stresemannstraße zu wohnen. Das was da auf Grün steht ist die Anzeige des Parkhauses in der Elbphilharmonie und die Autos, von denen die Rede ist, sind Autos auf Parkplatzsuche. Woran man das erkennt? An den Nummernschildern, von denen man manch eines nach ein wenig Beobachtung auswendig kann. Drei- bis Viermal in jede Richtung sind keine Seltenheit. Und man fragt sich unwillkürlich: Ist das Geiz, Unwissenheit oder eine Parkhausphobie?

Was hatten wir uns für Sorgen über das mangelnde Parkplatzangebot an der Elbphilharmonie gemacht und wie sieht jetzt die Realität trotz permanent ausverkaufter Konzerte aus. Dabei sind die Konzertbesucher sowieso nicht das Problem. Abends geht es fast geruhsam an der Elbphilharmonie zu, die virtuelle Sackgassenregelung ist da eher kontraproduktiv, wenn sie denn überhaupt beachtet wird. Derjenige, der die Anzeigetafel an der Einfahrt zum Kaiserkai übersehen hat – und das ist leicht – dreht dann, kurz bevor er die Halbinsel wieder verlassen hätte, und fährt nochmals durch den Kaiserkai zurück. Eigentlich eine Gaga-Regel, wenn man diese Fahrtrichtung betrachtet.

Ansonsten sind die ersten hundert Tage Konzertbetrieb Elbphilharmonie erstaunlich unaufgeregt vorüber gezogen, man hat sich doch ziemlich schnell an die neuen Bedingungen gewöhnt. Selbst die Eigenarten des Konzertsaales werden nicht mehr in epischer Breite diskutiert – außer vielleicht in der lokalen Tageszeitung – die Konzerte selbst stehen wieder im Mittelpunkt, wenn sie denn überhaupt, außer bei den Besuchern selbst, noch Aufmerksamkeit erregen. Die mediale Hype legt sich, Alltag kehrt ein. Hamburg ist um ein wunderbares Bauwerk reicher, an der nachhaltigen Außenwirkung muss aber weiter gearbeitet werden, genauso wie an vielen kleinen Details, angefangen bei der Verkehrserziehung.

 

 

Viel Vergnügen beim Lesen!

Ihr Michael Baden