Editorial

Ein völlig verzweifelter Nachbar steht vor meiner Tür. Es ist Sonntag, er ist mit Freunden verabredet, ihr erster Besuch in der HafenCity, und sie haben es bisher nur bis kurz vor die Alster geschafft. Seine einfache Frage: Was ist denn nur heute wieder los? Ich versuche mich zu erinnern: Triathlon? Cyclassics? Marathon? Schlagermove? CSD? Diesmal lautet die Lösung Cyclassics und natürlich hatte der Veranstalter artig vorher informiert, die Flyer sammeln sich munter zu kleinen Stapeln an.

An der Hafenkante und in der HafenCity hat man es wirklich schwer den Überblick im Sommer zu bewahren, eine Veranstaltung jagt die nächste, fast jede ist auch mit Straßensperren irgendwo verbunden und wenn man sich nicht auskennt, hat man verloren. Ankündigen tun sich diese Sonntage meist mit wenig Verkehr in der Kern-HafenCity und spätestens wenn man freie Parkplätze sieht, sollte klar sein, dass irgendwo wieder Menschen in Massen irgendeinem Thema huldigen. Die Touristen finden das an Hamburg toll, jedes Wochenende ist was los, so wie jetzt im September die Cruise Days und das Alstervergnügen – das sind zumindest die Veranstaltungen an die ich mich im Moment erinnere. Wohl dem, der nicht mit dem Auto unterwegs ist oder sein muss, doch auch Busse haben es nicht leicht. Nun mag man auf die Eventstadt Hamburg schimpfen, doch irgendwie profitieren wir alle auch davon und man kann sich darauf einrichten, vorausgesetzt Vorteile und Nachteile halten sich die Waage. Ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr ist da so eine Voraussetzung, bezahlbar für jeden und ein wesentlicher staatlicher Beitrag zu einer funktionierenden Stadt – ein echter Wettbewerbsvorteil. Kontraproduktiv sind allerdings die fast schon alljährlich fälligen Tariferhöhungen des HVV, in diesem Bereich wären mehr staatliche Subventionen bestens investiert – ganz im Gegensatz zu vielen anderen Branchen.

 

Viel Vergnügen beim Lesen!

Ihr Michael Baden