Editorial

Auch wenn zeitweilig der Eindruck entstehen könnte, wir würden unsere Zeitung in „Elbphilharmonie Zeitung“ umbenennen – nein, das ist definitiv nicht geplant. Dennoch kommen wir natürlich nicht umhin, uns der allgemeinen Lobhudelei über das zentrale Projekt der HafenCity anzuschließen und berichten selbstverständlich über die Eröffnung und drum herum, was wir aber definitiv nicht können, ist einen kompletten Redakteur jeden Abend in ein Konzert zu setzen und jeden Ton zu bewerten, so wie es jetzt einige Kollegen tun.

Bei diesem Orchester hat es jetzt super geklappt, bis auf die eine Note im dritten Satz vom Oboisten. Einen Tag später hat man deutlich die Nervosität der Pianistin gespürt. Fast hat man den Eindruck, dass zusammen mit dem fast perfekten Saal dieselbe Messlatte jetzt für die Musiker höher gehängt wird als anderswo, jeden Tag bewertet die mediale Jury die Tagesleistung und gibt Empfehlungen für den „Recall“ wie bei DSDS.

Ja klar, alle sind neugierig und alles ist frisch, aber die Musiker sollen doch keine Angst davor bekommen, in der Elbphilharmonie aufzutreten, sondern Spaß dabei haben – denn in der Musik ist es allemal so wie überall: Mit Spaß gelingt alles besser, unter Druck geht schnell mal was schief, und das hören selbst Laien. Kollegen, entspannt euch, wir werden noch viele Hundert Konzerte im Jahr erleben und wer dabei vorschnell sein Pulver verschießt, beginnt genauso schnell, sein Publikum beziehungsweise seine Leser zu langweilen. Und nur mal so nebenbei, die Texte werden auch nicht besser, wenn ein und derselbe Redakteur über 365 davon im Jahr schreibt.

Genießen wir einfach unser neues Wunderwerk und bereiten uns auf die Scharen von Touristen vor, die spätestens mit dem Frühling kommen werden, wenn der Ruf der Elbphilharmonie weltweit gehört wurde und die Reisebuchungen funktionieren.

 

Viel Vergnügen beim Lesen!

Ihr Michael Baden