Editorial

 

„… die Elbphilharmonie beherbergt auch ein Hotel mit … bla bla“ – Zum gefühlt zehnten Mal fährt die Segway-Karawane auf dem Fußweg an meinem Schreibtisch vorbei, die Tür ist offen, draußen ist es warm und es ist Wochenende. Die fünfzigköpfige Seniorenreisegruppe aus Wanne-Eickel steht staunend an der Seite, auf der Straße fährt der hundertste Reisebus vorbei, gefolgt von der siebten Gruppe von Hot-Rods an diesem Tag (die kleinen Gokart-ähnlichen Autos, die umgekehrt proportional zu ihrer Größe lärmen) und begleitet von ein paar Fahrradfahrern auf dem Fußweg entsteht die Atmosphäre eines Ferienparks im Kaiserkai – und an manchen Tagen auch ein wenig die eines Tollhauses. Man steht daneben und staunt, was aus der HafenCity geworden ist, fragt sich, ob irgendwo anders in Hamburg noch so viele Touristen unterwegs sind.

Ärger? Nein, nicht wirklich. Sorge? Ein bisschen, der Verkehr gleicht an manchen Tagen einer vielbefahrenen Durchgangsstraße und man verdrängt die zusätzliche Schadstoffbelastung, erst von der Wasserseite und jetzt zusätzlich noch von der Straße. Naja, immerhin die Segways sind elektrisch, aber ob das noch irgendwas ausmacht ist auch fraglich. Trotzdem, abends, kurz bevor die Sonne hinter der Elbphilharmonie untergeht und beide Seite des Kaiserkais noch ein wenig Sonne genießen, erobere ich mir die Straße zurück und ich bin nicht alleine. Stuhl, Sessel oder Sofa raus auf die Straße gestellt, die Musik etwas lauter gedreht und ein Feierabendgetränk in der Hand noch einmal Flagge zeigen, hier leben, arbeiten und wohnen Menschen, die nicht nur Staffage für ein Vorzeigeprojekt sind, sondern zugleich locker und sichtbar. Ein wenig Schanzenflair oder Amsterdam und Stolperstein für den Mann oder die Frau vom Band der Segway-Führungen, ein unerklärliches Phänomen das Touristen irritiert. Und das macht Spaß …

Viel Vergnügen beim Lesen!

Ihr Michael Baden