Mehr als ein Jahr MCL
Mehr als ein Jahr MCL
"Kontrollfahrt" auf der Maritimen-Circle-Line

Fast genau ein Jahr ist es her, als hafencitynews.de das erste Mal mit Gregor Mogi über die MCL sprach, ein willkommener Anlaß einmal selbst eine Runde mit den roten Schiffen zu mitzumachen und nachzusehen, was aus dem Projekt geworden ist.

Zu Anfang gibt es noch Sitzplätze für alle
Zu Anfang gibt es noch Sitzplätze für alle
Auslöser war nicht nur dieses Jubiläum, sondern auch ein Ereignis, was am letzten Wochenende für Furore sorgte. Die Eröffnung des Traditionsschiffhafens im Sandtorhafen. Hier gab es in der Woche eine Pressebarkassenfahrt in den Hafen von den Landungsbrücken, genauer gesagt von der Brücke 10 aus. Vor einem Jahr fand das Interview mit Gregor Mogi an der gleichen Stelle statt und er haderte noch mit dem Standort und der Bekanntheit seiner Idee. An diesem Werktag morgens um zehn ein ganz anderes Bild. Die kleine Barkasse für die Journalisten muss warten, bis zwei der schicken roten MCL-Barkassen bis auf den letzten Platz gefüllt sind und ablegen.

Hübsch rot und hoher Wiedererkennungsfaktor - die Schiffe der MCL
Hübsch rot und hoher Wiedererkennungsfaktor - die Schiffe der MCL
Zugegeben, es herrschte Kaiserwetter und doch scheint die Idee einer günstigen Rundfahrtlinie auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Die Gegenprobe an einem eher trüben Sonntag zwei Wochen später. Eine Barkasse, aber alle Sitzplätze belegt, legt um 14:00 von der Brücke 10 ab. Inzwischen schmücken eine Bude, Bänke und diverse Accessoires die für die MCl vorgesehene Ecke an den Landungsbrücken. Die Passagiere erleben eine Hafenrundfahrt der besonderen Art. Trotz der Idee einer alternativen Buslinie bzw. Fährlinie zu den Museen im Hafen wird wie bei einer Hafenrundfahrt auch noch Information geboten. "Kapitän" und Matrose bieten in ausreichendem Maß Informationen rund um die Fahrtstrecke an.

Auf der Strecke - der Neubau von Unilever
Auf der Strecke - der Neubau von Unilever
Und die Besatzungen der Schiffe haben es in sich. Allen gemeinsam ist die Liebe zum Hafen, ansonsten ist über den KFZ-Meister bis zum Innenarchitekten alles vertreten. Und bei der Fahrstrecke auch: Von den Landungsbrücken geht es an Blohm & Voss zum Containerterminal Tollerort. Von dort am Oderhafen vorbei durch die Ellerholzschleuse und den Veddelkanal. Ein selten angefahrener Ort, da die Wasserstände und Versandung hier selten eine Durchfahrt zulassen. Eine Atmossphäre von Verfall umgibt diesen Ort, mit funktionslosen Kränen und voraus die Sicht auf die Hausboote im Spreehafen.

 

Direkter Kontakt mit den Giganten und Feedern
Direkter Kontakt mit den Giganten und Feedern
Dann geht es im Müggenburger Zollhafen zum ersten Stop auf dieser Fahrt. Ballinstadt heisst die Haltestelle und die Mehrzahl der Mitfahrer steigt tatsächlich aus. Die MCL ist also tatsächlich ein Museumsshuttle und nicht eine andere Form der Hafenrundfahrt. Im Gegenzug steigen Besucher des Auswanderermuseums wieder ein. Diesmal ist die Barkasse voll wie zur langen Nacht der Museen. Selbst die Stehplätze sind alle belegt – aber alle sind mitgekommen. Schon vor Antritt der Fahrt wird grob abgefragt, wer an den einzelnen Haltestellen aussteigen will, um gegebenenfalls ein zweites Schiff auf die Runde zu schicken.

Verwunschene Kräne am Wegesrand
Verwunschene Kräne am Wegesrand
Nun verwandelt sich die Hafenrundfahrt aber tatsächlich in eine Fährfahrt mit Stehplätzen und Gedrängel. Viele steigen aber dann am Schuppen 50 beim Hafenmuseum wieder aus, um das nächste Museum auf der Route zu besuchen – und nicht ganz so viele wieder ein. Nächster Halt: HafenCity/Speicherstadt. Vorher gibt es bei den Touristen aber noch eine Überraschung. Die vermeintliche Kaimauer an der die Barkasse vorbeifährt entpuppt sich als Fahrt aufnehmendes Containerschiff, dass zunehmend schneller werdend bald die Barkasse hinter sich läßt. Einfahrt in die Speicherstadt, noch ist der Traditionsschiffhafen keine Haltestelle. In der Speicherstadt hät die Barkasse an der Kibbelstegbrücke und zur Überraschung aller verlassen fast alle Passagiere die Barkasse. Statt abschliessendem Landungsbrückenbummel steht bei den meisten Touristen ein Besuch der Speicherstadt und der HafenCity inzwischen auf dem Programm.

Haltestelle Ballinstadt
Haltestelle Ballinstadt
Die abschliessende Haltestelle Cap San Diego sieht dann nur noch ein Bruchteil der Fahrgäste.
Fazit: Die MCL hat sich inzwischen einen festen Platz im touristischen Programm des Hafens erobert. Mit acht Euro pro Fahrt sind die Preise aber auch nicht mehr ganz so weit von den Kosten einer klassischen Hafenrundfahrt entfernt, bei der MCL kann man allerdings an jedem Punkt der Reise seine Fahrt unterbrechen und später wieder aufnehmen.