Neuer Straßenzug einer Metropole - die urbane Logistik bleibt auch hier ungelöst (Foto: J. Munzinger)
Neuer Straßenzug einer Metropole – die urbane Logistik bleibt auch hier ungelöst (Foto: J. Munzinger)

Jörg Munzinger schreibt in seiner Kolumne „#urbnhafencity“ über seine Eindrücke und Beobachtungen in der HafenCity. Seine Leidenschaft sind Immobilien, Architektur und Städtebau. Er wohnt in der HafenCity.

Es gibt tatsächlich Leute, die glauben, dass ein Paketroboter, der aussieht wie ein futuristisches Seifenkistenauto, das sich mit 6 km/h auf dem Bürgersteig bewegt und maximal 10 kg transportiert, die Probleme der City-Logistik lösen wird. Andere denken, die Belieferung aus der Luft wird die Lösung für die riesigen Paketmengen sein, die täglich in Deutschland transportiert werden. Ganze 3,8 Milliarden Sendungen waren es 2017. Würden die Pakete aus der Luft ausgeliefert werden, der Himmel über Hamburg wäre schwarz vor Drohnen.

Der Online-Handel floriert und  mit ihm steigt die Zahl der täglich versendeten Pakete. Die City-Logistik steht in Ballungsgebieten wie Hamburg vor dem Kollaps. Der Transport, besonders die „letzte Meile“ bis zum Kunden, braucht dringend eine neue Lösung. Fahrzeuge der Paketdienste sind ein Teil der Ursache für verstopfte Straßen. Diese machen bis zu 30 Prozent des Verkehrs aus, sorgen aber für rund 80 Prozent der Staus, etwa durch Parken in der zweiten Reihe. Es wird an vielen Ansätzen getüftelt, nicht nur an Robotern und Drohnen: vom Bollerwagen mit Elektroantrieb, Lastenfahrrädern und Elektrotransportern ist alles dabei. Ein weiteres Problem ist, dass die Paketboten immer häufiger vor verschlossen Türen stehen. Auch hier gibt es Ansätze mit intelligenten Systemen für die Ablieferung im Haus oder in parkenden Autos. Vieles scheitert nicht nur an der Struktur unser Gebäude sondern auch an rechtlichen Themen sowie der Uneinigkeit konkurrierender Paketdienste.

Die „letzte Meile“ ist ungelöst, der große Durchbruch steht noch aus. Vielleicht gibt es bis dahin eine einfache, analoge Lösung, die etwas mit Nachbarschaft und lebendigen Erdgeschossen zu tun hat. Pakete werden an Kioske, Fitnessstudios oder kleine Läden im Quartier ausgeliefert. Die Paketdienstleistung wird für die Gewerbetreibenden ein Teil ihres Geschäftsmodells. Das Quartier wird lebendiger. Die Leute verlassen ihre Wohnung. Auf dem Weg zum Paket trifft man seinen Nachbarn. Das sollte der Bequemlichkeit eines Online-Einkaufes  eigentlich nicht entgegen stehen.