Wo kann man hier überhaupt einkaufen?
Wo kann man hier überhaupt einkaufen?
Vorurteile ohne Ende

Sie kennen es alle, wir wollen nur  ein paar Rundstücke holen und  platzen in das volle Touristenprogramm. Es sind gelangweilte Schüler auf Klassenausflug, Studienkollegen aus Süddeutschland, Geschäftsfreunde mit und ohne Führer unterwegs, da muss man erst mal vorbeikommen.
„Hallöchen!“ rief es hinter mir ü-ber die Marco-Polo-Terrassen. „Bist Du es? Was für ein Zufall!“ Vor mir stand eine muntere Damenriege, aufgerüscht Marke „Landfrauen auf Hamburg-Trip“. Schon wurde ich als Fremdenführer engagiert und mit Fragen bombardiert. „Stimmt es, dass hier so viele Wohnungen leer stehen. Ist das nicht unheimlich, wenn alles unbewohnt ist?“ Ohne eine Antwort abzuwarten sprudelte die Nächste los: “Und…wo kann man hier überhaupt einkaufen?“ Mädchen, ich weiß wo Du wohnst, bis zum nächsten Bäcker fährst Du sechs Kilometer!

Ach, der Hafen ist ja ganz schön
Ach, der Hafen ist ja ganz schön
Bei Unilever angekommen – die Kaffeepause war überfällig –  beobachteten wir, wie eine Angestellte mit Mitarbeiterchip ihren Kaffee aus ToGo bezahlte. Eine Gelegenheit für die Ladys zum Interview: „Wie gefällt es Ihnen hier zu arbeiten?“ „Toll! Ich habe mein Büro ganz oben mit Elbblick!“ schwärmte die junge Karrierefrau. „Aber, wie kommen Sie jeden Morgen hier her?“ wollten die Ausflüglerinnen wissen. „Drei Buslinien, eine Tiefgarage im Haus und die U4 kommt auch noch!“ spulte sie die Antwort wohl nicht zum ersten Mal herun-ter.

Nicht so richtig zufrieden mit dieser überschwänglichen Auskunft, zog es das Grüppchen direkt an die Elbe. „Wie ist es mit dem Hochwasser? Das ist doch gefährlich!“ war die nächste Sorge der Damen. „Gummistie-fel!“ fiel mir ein. „Die können wir hier sogar im Blumenladen kaufen.“ Am Spielplatz sinnierte eine frischgebackene Oma: „Für die Mütter ist es auch schwierig, keine KiTa, keine Schule…“ „Und keine Schulbusse!“ vervollstän-digte ich das Horror-Szenario. Die Biologin merkte an: „Ach, der Hafen ist ja ganz schön, aber es gibt keine Vögel!“ Wie aufs Stichwort krächzte eine Möwe bei einem eleganten Schlenker über uns.

Wir streiften dann noch die Themen Schiffsabgase (Husten!), Hunde (keine Bäume!) und Nebelhörner (rund um die Uhr wie bei Edgar Wallace!). Die Stimmung war ausgelassen, doch am Ende zickten sie doch noch mal: „Das Parken ist hier eine Katastrophe. Du siehst mich so schnell hier nicht wieder!“. Okay.