Weltkulturerbe mit Altglascontainer: Blick aus dem Chilehaus auf die Speicherstadt (Foto: Jörg Munzinger)
Weltkulturerbe mit Altglascontainer: Blick aus dem Chilehaus auf die Speicherstadt (Foto: Jörg Munzinger)

Jörg Munzinger schreibt in seiner Kolumne „#urbnhafencity“ über seine Eindrücke und Beobachtungen in der HafenCity. Seine Leidenschaft sind Immobilien, Architektur und Städtebau. Er wohnt in der HafenCity.

Das Weltkulturerbe ist kein „Thing to see“ für Touristen in Hamburg. So sehen dies scheinbar die Marketingverantwortlichen der Hansestadt. Im aktuellen Flyer der Stadt zu den „Hamburg Highlights“, kommt der Begriff Weltkulturerbe nicht vor. Kontorhausviertel und Speicherstadt wurden wegen seiner herausragenden Bauten 2015 als UNESCO-Welterbe nominiert und ziehen heute Besucher aus aller Welt an. Nach anfänglicher Euphorie scheint das Projekt im Hamburger Rathaus aber abgehakt zu sein. Man hat den Eindruck, dass die Politiker weder den Titel zu würdigen wissen, noch in der Lage sind, Potentiale daraus zu nutzen.

Das Chilehaus mit seiner spitz zulaufenden, expressionistischen Backsteinfassade ist das bekannteste Bauwerk Hamburgs. Es zählt zu den weltweit wichtigsten Bürobauten, die am Anfang des vergangenen Jahrhunderts entstanden sind. Dies hält die Stadt jedoch nicht davon ab, direkt davor, Altglascontainer aufzustellen, die den freien Blick auf die Speicherstadt versperren. Zumindest lenken diese von einer anderen Bausünde in der Speicherstadt ab. Hier ließ die Stadt 2012 an einer der schönsten und damit sensibelsten Orte des Weltkulturerbes eine Wasser-Stofftankstelle mit einer banalen Kunststofffassade bauen. In der UNESCO-Bewerbung wird noch schnell betont, dass die Nutzungsgenehmigung nur für 10 Jahre erteilt wurde.

 Auch sonst macht es die Stadt Besuchern nicht leicht. Immer wieder begegnen mir orientierungslose Touristen am Wandrahmsteg auf der Suche nach Sprinkenhof oder Wasserschloss. Während sich andere Welterbestätten mit spannenden Geschichten, Filmen und Touren in anschaulich gestalteten Apps erleben lassen, gibt es in Hamburg nicht einmal Hinweistafeln oder markierte Touren mit Selfie-Spots. Nächster Halt „Messberg / Weltkulturerbe“ – schon die U-Bahn Haltestelle könnte Besucher mit Bildern Karten und Wegweisern auf die sehenswerten Orte einstimmen. Auch ein zentrales Welterbe-Informationszentrum als Anlaufstelle für Besucher muss Hamburg sich leisten können.