Steuereinheit einer individuellen Lüftungsanlage mit Ausschalter

Steuereinheit einer individuellen Lüftungsanlage mit Ausschalter

Haben alle aufgepaßt?

Was jetzt ein wenig nach Erwachsenenpädagogik klingt hat einen ernsten Hintergrund. Vor wenigen Wochen wurde eine unscheinbare rosa Broschüre an alle Haushalte verteilt, und landete bei den meisten Adressaten sofort in der Papiertonne. Zuviel kleingedruckter Text ohne klare Botschaft. Doch einige Wenige hatten sich dann doch die Mühe gemacht sich dieses Heft genauer in Augenschein zu nehmen. Herausgeber der Informationsschrift „Sicherheit für unsere Nachbarn – Was tun bei Störfällen“ sind 39 Hamburger Unternehmen, von denen Störfälle ausgehen können, oder die der erweitereten Störfallverordnung unterliegen. Die meisten dieser Betriebe liegen im unmittelbaren Einzugsbereich der HafenCity.

Titel der Sicherheitsbroschüre

Titel der Sicherheitsbroschüre

Konzentriert sich die öffentliche Aufmerksamkeit im Hafenbereich meist auf Sturmfluten, gehen von diesen Betrieben ganz andere Gefahren aus. In fast allen Hamburger Hafenumschlags- und Lagerunternehmen werden auch Gefahrgüter bewegt oder gelagert, die bei einem Unfall unter Umständen zu Luftverschmutzungen oder zum Austritt giftiger Gase führen können. Die Art der Gase oder Gifte lassn wich nicht vorhersehen und hängen von den jeweiligen Gütern ab. Zweite mögliche Störfallquelle sind verarbeitende chemische Betrieb in direkter Nachbarschaft, wie zum Beispiel die Sasol Wax Raffinierie gegenüber dem Kaiserhöft, die teilweise der Störfallverordnung unterliegt. In der Broschüre werden detailliert die Stoffe genannt, die im Falle eines Unfalles austreten können. Stoffe wie Chlorwasserstoff, Ammoniak und 1.2 Dichlorethan werden genannt, die die richtige Windrichtung vorausgesetzt, innerhalb von wenigen Minuten über die Elbe in die HafenCity geweht sind.

Gegenüber der HafenCity gibt es reichlich Unternehmen mit Gefahrenpotential

Gegenüber der HafenCity gibt es reichlich Unternehmen mit Gefahrenpotential

Nun unterscheiden sich die Anweisungen für den Ernstfall nicht viel von den Anweisungen für Sturmfluten mit einer für die HafenCity wichtigen Ausnahme. „Schliessen Sie sofort Fenster und Türen und schalten Sie gegebenenfalls Lüftungs- und Klimaanlagen über den Hauptschalter ab. Meiden Sie tiefergelegene Räume (z.B. Keller).“

 

Schiffe befördern auch Gefahrgüter

Schiffe befördern auch Gefahrgüter

Aus Wärmeschutz und Luftschutzgründen sind in vielen Häusern in der HafenCity Lüftungsanlagen in unterschiedlichen Konfigurationen eingebaut, die wenigsten sind aber so beschaffen, dass sie über einen eindeutigen Ausschalter verfügen. Einge Häuser besitzen sogar eine zentral gesteuerte Lüftungsanlage, die von den Bewohnern gar nicht selbst ausgeschaltet werden kann. Bei Anlagen dieser Art muss nach Auskunft der Vermieter/Verwaltungsgesellschaften der Hausmeister benachrichtigt werden, der dann die Anlage ausschalten kann. Diese Hausmeister haben in der Regel einen längeren Anfahrtsweg und sind schlecht erreichbar. Betroffene erhielten von der befragten Hamburger Innenbehörde die AUskunft, dass diese Konstellation bisher nicht in den Bauvorschriften berücksichtigt werde und es auch keine Gesetze zur Lage von Notausschaltern bei Lüftungsanlage gebe.

Nur einen Steinwurf entfernt - Die HafenCity

Nur einen Steinwurf entfernt – Die HafenCity

Hier gibt es dringendendem Nachbesserungsbedarf bei Bauvorschriften und den schon vorhandenen Installationen. Bei individuell steuerbaren Lüftungsanlagen sollten auf jeden Fall leicht verständliche Anweisungen an der Steuerkonsole vorhanden sein, zentral geregelte Lüftungsanlagen müssen mit schnell und einfach zugänglichen Notausschaltern nachgerüstet werden. Im Ernstfall kommt es auf Sekunden an. Die in den Lüftungsanlagen integrierten Filter sind nicht in der Lage Giftstoffe auszufiltern.

Sasol unterliegt teilweise der Störfall-Verordnung

Sasol unterliegt teilweise der Störfall-Verordnung

Wie schnell und aktuell Vorsorge werden kann zeigt eine Meldung aus der vergangenen Woche. In Wilhelmsburg im „Getreide Terminal Hamburg“ hatte ein Transportband Feuer gefangen. Brände in Getreidesilos sind weniger harmlos als sie sich anhören. In Bremen explodierten 1979 die Silos der Rolandmühle zerstörten ein großes Areal. Auf 30 Hektar ging ein Regen aus Mehl nieder und 14 Menschen verloren ihr Leben. In Wilhelmsburg war die Feuerwehr mit 4 Löschzügen und 120 Einsatzkräften vor Ort um ein Überspringen des Brandes auf den Silo zu verhindern, die nur wenige Kilometer von der HafenCity entfernt stehen. Starke Rauchentwicklung führte zu der oben diskutierten Situation, dass die Fenster geschlossen werden sollten. Der Wind stand aber nicht in Richtung HafenCity…