BU: Loft zum Wohnen (Grafik: spine architects)

BU: Loft zum Wohnen (Grafik: spine architects)

Kolumne

Jörg Munzinger schreibt in seiner Kolumne „#urbnhafencity“ über seine Eindrücke und Beobachtungen in der HafenCity. Seine Leidenschaft sind Immobilien, Architektur und Städtebau. Er wohnt in der HafenCity.

Neulich las ich folgende Anzeige: Einzimmerwohnung in Hamburg, nähe Hauptbahnhof, 19 Quadratmeter für 545 Euro – wenig Fläche, langweiliger Grundriss, banale Ausstattung. Alles ohne Ideen, für einen beachtlichen Quadratmeterpreis von 28,70 Euro kalt im Monat. Auch wenn es dann „Urban Living“ oder „Micro Lofts“ genannt wird, kann ich mir nicht vorstellen, dass man mit diesem Preis-Leistungs-Verhältnis glücklich ist.

Auch die HafenCity ist kein Labor für Wohnformen der Zukunft. Marktdruck und hohe Preise lassen wenig Spielraum für Ideen und Innovationen. Im Gegenteil, das, was hier entsteht, wird immer langweiliger. Künftig entstehen in der HafenCity mehrheitlich geförderte Wohnungen, die sich an streng reglementierten Förderrichtlinien orientieren. Diese lassen keinerlei Freiraum für pfiffige und einfallsreiche Wohnformen zu. Die Vorschriften sorgen dafür, dass hinter moderner Architektur Grundrisse entstehen, die ihre Vorbilder im sozialen Wohnungsbau der 1920er Jahre haben. Was damals innovativ war, ist bei Weitem nicht mehr passend für die Wohnkultur des 21. Jahrhunderts.

So schreiben Normen vor, dass eine Wohnung für eine Person nicht kleiner sein darf als 30 Quadratmeter sowie Kochen und Wohnen nicht in einem Raum untergebracht sein dürfen. Stylische Lofts mit offener Küche, kreative Flächen für ein Homeoffice oder nutzungsneutrale Räume für mehr Flexibilität sind darin nicht bedacht. Politik und Immobilienwirtschaft suchen händeringend nach Lösungen zum kostengünstigen Wohnungsbau, ohne sich wirklich mit neuen Ideen zu beschäftigen.

Für moderate Mieten, die Menschen sich leisten können, werden Wohnungen mittlerweile kleiner gebaut oder auf Steuerkosten subventioniert. Dass dieses Modell momentan funktioniert, ist dem knappen Wohnungsmarkt geschuldet. Beides ist jedoch nicht sonderlich zukunftsweisend. Besser wäre es, die starren Normen und Regeln zu lockern, um klugen Köpfen Raum für neue Wohnkonzepte zu geben.