Jürgen Angerer, der Hafenkapitän
Jürgen Angerer, der Hafenkapitän
…müssen Männer mit Bärten sein

Könnte man meinen, stimmt aber nicht. Die sechs die sich an diesem Morgen im Hafenmeisterbüro auf den Pontons treffen sind zwar "Männer mit Bärten", aber in der Schar der ehrenamtlichen Hafenmeister gibt es durchaus auch Frauen. Zwei um genau zu sein, und eine ist sogar Kapitänin und verbringt ihre Freizeit als Hafenmeister im Traditionsschiffhafen.
Unter den Männern sind dann erwartungsgemäß auch viele mit maritimen Hintergrund wie Kapitäne únd Schiffsingenieure, doch auch eine ganze Reihe von anderen Menschen, die die Liebe zu Schiffen und Meer verbindet. Die zweite Frau im Bunde arbeitet hauptberuflich in einer Unternehmensberatung, andere hat es jetzt erst wieder an den Hafen verschlagen. Hafenmeister Helmut Simonides hat dann auch den passenden Spruch parat "Er sank von Stufe zu Stufe, zuletzt wurde er im Hafen gesehen".

Helmut Simonides - Hafenmeister und ehemaliger Tankerkapitän
Helmut Simonides - Hafenmeister und ehemaliger Tankerkapitän
Hafenkapitän ist Jürgen Angerer, wie er selbst sagt "Erster unter Gleichen". Ein Mann mit Kapitänspatent, Betriebswirtschaftsstudium und breiter Erfahrung in allen maritimen und zuletzt auch in sozialen Dingen. War er lange Jahre in der Werftenbranche als Personalchef tätig, verschlug es ihn zuletzt als Geschäftsführer zu "Hinz & Kunzt". Nun ist er Hafenkapitän und versucht aus dem Traditionsschiffhafen einen der interessantesten Plätze Hamburgs zu machen. Unermüdlich versuchen er und seine Hafenmeister jetzt die Möglichkeiten diesen wunderbaren Ortes auszuloten. Neue Schiffe werden gesucht, Termine mit Gastliegern gemacht, der Hafengeburtstag will geplant sein. Genug Arbeit für die zwanzig Freiwilligen, die noch immer Verstärkung suchen. "Kommunikativ, Offen und Teamfähig sollen sie sein, und natürlich Liebe zu Schiffen und Hafen haben" sagt Jürgen Angerer, maritimes Vorwissen ist nicht zwingend erforderlich.

Noch ein Hafenmeister und Kapitän - Hans Laube
Noch ein Hafenmeister und Kapitän - Hans Laube
Innerhalb der Hafenmeister gibt es dann auch Arbeitsteilung. Der eine ist Handwerklich besser, der andere kann vielleicht besser organisieren. Arbeit gibt es genug. Jetzt im Winter ist das Hafenmeisterbüro nur von 10:00 bis 15:00 Uhr besetzt, im Sommer soll aber im Zweischichtbetrieb gearbeitet werden, damit Toiletten und die anderen Einrichtungen länger offen gehalten werden können. Die Zeitplanung ist nicht einfach, geben die ehrenamtlich tätigen Hafenmeister ihre Arbeitszeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten vor. Deswegen werden auch weitere Mitstreiter gesucht. Einmal im Monat treffen sich die Hafenmeister an einem Stammtisch, die weitere Kommunikation erfolgt meist virtuell über E-Mail. An diesem Morgen ist aber Vollversammlung angesagt. Allen Hafenmeistern soll die HafenCity nähergebracht werden. Dafür ist ein gemeinsamer Rundgang mit einem Führer der HafenCity Hambugr GmbH angesetzt und anschliessend will der "Chef vom Ganzen" Jürgen Bruns-Berentelg persönlich seine Vision von der HafenCity erläutern. Dieser "Schulungstermin" ist auch notwendig sagt Jürgen Angerer, denn die Hafenmeister werden vermehrt auch als Auskunftsstelle für Themen rund um die HafenCity genutzt.

Am Anfang war der Hafen und jetzt geht es wieder zurück zum Hafen - Hans-Otto Müller und Jürgen Angerer
Am Anfang war der Hafen und jetzt geht es wieder zurück zum Hafen - Hans-Otto Müller und Jürgen Angerer
Dann geht das Gespräch zu den geplanten Veranstaltungen. Hafengeburtstag ist natürlich die Großveranstaltung, an der sich der Traditionsschiffhafen dieses Jahr auch beteiligen will. Zwanzig bis dreissig größere Schiffe werden erwartet und ein große Anzahl kleiner Schiffe. Chöre sollen für das Rahmenprogramm sorgen, am Sonntag findet ein Jazzfrühschoppen statt und für die Kinder sollen die Kapitäne Knotenkurse abhalten. Auch der kleine Hafengeburtstag des Sandtorhafen soll im September gefeiert werden. Ideen haben die Hafenmeister genug.

Robert Rosner - War auch mal bei der Wasserschutzpolizei
Robert Rosner - War auch mal bei der Wasserschutzpolizei
Inzwischen sind sie aufgetaut. Auf die Frage nach einer Hafenmeisteruniform erzählt Kapitän Simonides von seiner ersten Fahrt als Tankerkapitän nach Afrika. Auf den Tankern ist es auch für den Kapitän üblich im "Kesselpäckchen" auf der Brücke zu stehen. Das "Kesselpäckchen ist der Overall der Maschinisten. In Afrika wird die Kleidung dann auch wegen der Hitze noch legerer. "Ich lief im T-Shirt auf dem Shiff herum, da rief mich ein Maat zur Abfertigung durch die Behörden eines afrikanischen Staates. Alle Offiziellen in dekorierten Uniformen, ich im T-Shirt. Die nahmen mich überhaupt nicht wahr – da musste ich mir erstmal ein Hemd mit meinen Kapitänsabzeichen anziehen, dann wurde ich als Kapitän akzeptiert". Trotzdem soll es keine Hafenmeisteruniform geben, eine rote Weste mit Abzeichen reicht auch.

Auch im Hafenmeisterbüro nützlich - Der Schiffsmelder von Hafencitynews.de
Auch im Hafenmeisterbüro nützlich - Der Schiffsmelder von Hafencitynews.de
Über einen kurzen Abstecher zur "Bleichen", auf der zwei der Hafenmeister auch mitarbeiten, wird dann plötzlich über Ladegeschirre gefachsimpelt. Hans Laube erzählt von einem seiner Schiffe, der Stolzenfels und die Diskussion geht weiter. Welche Baureihe Stülpengeschirr hatte und welche nicht, fast wähnt man sich in Geschichten aus "Orkanfahrt" versetzt. Nun ist die Zeit aber auch abgelaufen, die Hafenmeister müssen los. Jürgen Bruns-Berentelg ruft und alle sind neugierig auf die neuen Nachbarn und … "Ob es wohl belegte Brötchen gibt?"
Auf zur HafenCity-Hafenmeister-Führung
Auf zur HafenCity-Hafenmeister-Führung

 

Ein kleiner Tipp am Rande für Neugierige: Am Monatg wird von 7:00 Uhr bis 16:00 Uhr auf den Pontons für das Großstadtrevier gedreht.