Ein Lieblingsort von Dr. Markus Menzl – der Lohsepark ist eine tolle Mischung aus Beteiligung, Sport, Spiel und Natur (Foto: CF)

Ein Lieblingsort von Dr. Markus Menzl – der Lohsepark ist eine tolle Mischung aus Beteiligung, Sport, Spiel und Natur (Foto: CF)

Dr. Marcus Menzl übernimmt Lehrstuhl an der Fachhochschule Lübeck und verabschiedet sich aus der HafenCity

Sozialwissenschaftler (m/w) gesucht! So lautet die Überschrift der Stellenausschreibung der HafenCity Hamburg GmbH auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Marcus Menzl. Neun Jahre und elf Monate lang begleitete und prägte der promovierte Soziologe und studierte Stadtplaner die sozialen Entwicklungsprozesse in der HafenCity und erwarb sich als Ansprechpartner und „Kümmerer“ die Wertschätzung vieler Bewohner und Akteure im wachsenden Stadtteil.

Zum 1. Juni übernimmt Dr. Marcus Menzl (48), zu dessen Aufgaben bei der HafenCity Hamburg GmbH auch die kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung und Analyse des Stadtteils gehörte, eine Professur an der Fachhochschule Lübeck. Künftig lehrt er Architekten, Ingenieure und Stadtplaner in „Soziologie der gebauten Umwelt“, so die Bezeichnung des neugeschaffenen Lehrstuhls, der den angehenden Fachleuten den Blick öffnen soll für „ …das was man berücksichtigen muss, wenn man Städte und das heißt Lebensräume für Menschen entwickelt…“.

„Man baut nicht nur Straßen und Häuser, sondern soziale Zusammenhänge“, beschreibt Menzl die Herausforderung an die Erbauer, „und dabei ist das Denken in Kontexten wichtig. Die jeweiligen Fachrichtungen müssen es daher vermeiden, in „Kästchen“ zu denken. Zudem haben trotz der digitalen Vernetzung für die Menschen lokale Beziehungen an Bedeutung gewonnen. Sie interessieren und engagieren sich für ihr Quartier“. Und „wenn man die Sicht der Nutzer ignoriert, muss man damit rechnen, dass sich später sogenannte Partikularinteressen durchsetzen“, gibt er zu bedenken.

Die Erkenntnis, dass ein kontinuierlicher Dialog zwischen Projektentwickler und Nutzer eine Vertrauensgrundlage schafft, die auch in Konfliktsituationen gemeinsame Lösungen ermöglicht, ist für Menzl eine wesentliche Basis. Informationsveranstaltungen, gefestigte Kontakte zu Netzwerken und bilaterale Gespräche mit den Bewohnern und Gewerbetreibenden haben in der HafenCity dazu geführt, dass in vielen Fragen eine beispielhafte „win-win“- Situation entstanden ist. „Man darf die sozialen Fragen nicht als Selbstläufer betrachten“ betont der Soziologe Menzl „an diesem Punkt haben sich die Standards in den letzten Jahren geändert. Eine „Feuerwehrpolitik“, die nur auf Widerstände und Reibungen reagiert, ist im Städtebau schon lange nicht mehr zeitgemäß, vielmehr geht es darum, soziale Prozesse bewusst zu initiieren und zu gestalten.“ Das fängt mit der technischen und sozialen Infrastruktur an, geht weiter mit der Auswahl der Bauherren und endet in Kommunikations- und Vernetzungsprozessen – alles Felder, auf denen Menzl in den letzten zehn Jahren aktiv war.

Seine wissenschaftlichen Ansätze, die praktischen Erfahrungen aus der fast zehnjährigen Tätigkeit in einem der herausragendsten städtebaulichen Projekte – wie es sein jetziger Arbeitgeber in der Stellenausschreibung bezeichnet – und die Begeisterung für die Aufgabe nimmt Dr. Marcus Menzl mit nach Lübeck. Was aber lässt er zurück? „Ich bin vielen Menschen in der HafenCity sehr verbunden und werde die gewachsenen Netzwerke sehr vermissen. Ich habe mich nicht nur wegen der Aufgabe so engagiert, mir hat die Zusammenarbeit mit den Menschen hier auch sehr viel Spaß gebracht“ betont er wehmütig. „Für die Akteure im Stadtteil bietet mein Weggang vielleicht aber auch die Chance, an der einen oder anderen Stelle noch stärker und eigenständiger die Verantwortung für die eigenen Aktivitäten zu übernehmen“ ergänzt er.

Auf eins wird Marcus Menzl aber auf jeden Fall verzichten müssen: die tägliche Fahrradfahrt zur Arbeitsstelle. Der dreifache Vater, der mit der Familie weiterhin im urbanen Stadtteil Hoheluft wohnt, wird zum Pendler. n       CF