Wind weht wo er will und wann er will (Foto: J. Munzinger)
Wind weht wo er will und wann er will (Foto: J. Munzinger)

Kolumne

Jörg Munzinger schreibt in seiner Kolumne „#urbnhafencity“ über seine Eindrücke und Beobachtungen in der HafenCity. Seine Leidenschaft sind Immobilien, Architektur und Städtebau. Er wohnt in der HafenCity.

 „Wenn der Nordwest von draußen kam und an seinen Läden rüttelte.“ So beschreibt Theodor Storm im Schimmelreiter den heftigen Nordwest-Wind. Auch die HafenCity ist dem Wind so ausgeliefert wie das Haus von Hauke Haien hinter dem Deich im Schimmelreiter.

Mit dem Wind muss die HafenCity leben und doch ließe sich das lokale Mikroklima beeinflussen. Wenn die Sonne scheint und es windstill ist oder es genügend Schutz vor dem Wind gibt, ist die HafenCity ein wunderbarer Ort zum Erholen und Flanieren. Eine Wohlfühlqualität im Freien entsteht auch in den kälteren Jahreszeiten, wenn die Sonne Mauern und Plätze erwärmt und diese die Wärme wieder abgeben. Wichtig dabei ist der Schutz vor den kalten Winden, die um die Häuserecken pfeifen. Wenn Straßencafés Glaswände und Markisen als Windschutz hätten, wenn in der Übergangszeit Standheizungen – leider nicht erlaubt in der HafenCity – angenehme Wärme verströmen könnten, dann würden Plätze und Cafés mit gut gelaunten Menschen besucht sein, nicht mit Menschen, die mit eingezogenen Köpfen in die Häuser schlüpfen. Mit einem angenehmen Mikroklima lassen sich auch an zugigen Bauten und windigen Straßenschluchten Aufenthaltsqualitäten mit mediterranem Flair schaffen.

In Städten mit ähnlichen Windproblemen, wie Kapstadt oder San Francisco, werden als besondere Lagekriterien „wind-free“ Apartments beworben. Auch in der HafenCity gibt es die Lagen mit mehr oder weniger Wind. Wer an einer der Windschneisen wohnt, wünscht sich sicher lieber eine Loggia mit Verglasung im Stil eines Wintergartens, als einen offenen, auskragenden Balkon. Die dortige Architektur sollte eher mit dem Wind bauen, als gegen ihn.

Wind beeinflusst unser Wohlgefühl: Ob ein willkommenes laues Lüftchen in den heißen Sommermonaten oder peitschender Regen hinter geschlossener Loggiaverglasung – Wind fasziniert, ist mal gnädige, mal zerstörende Naturgewalt und zeigt uns Menschen unsere Ohnmacht ihm gegenüber auf. Und wenn es einen behaglichen Rückzugsort gibt, lieben wir es, bei Sturm entlang der Promenaden und Kaimauern zu laufen, sich durchpusten zu lassen, und die Schaumkronen am Wasser zu beobachten – und das nicht am offenen Meer, sondern mitten in der Stadt.