In der Halle 424 - die letzte Sitzung des Bürgerforms (Foto: MB)
In der Halle 424 – die letzte Sitzung des Bürgerforms (Foto: MB)

Auf seiner vorerst letzten Sitzung tagte das Bürgerforum in der Halle 424

Die Zukunft des Bürgerbetieligungsinstrumentes könnte wegen Zeitmangels der Bezirkspolitik nicht mehr gesichert sein. Ersatz könnte eine Stadtteilkonferenz sein, in der ohne feste Struktur über lokale Belange geredet werden könnte

Sport bewegt, nicht nur den Körper, sondern auch die Gemüter – das konnte man schön beim letzten Bürgerforum in der Halle 424 im Oberhafen beobachten. Der Gegenstand der Aufregung: Das geplante 9er-Fußballfeld am hinteren Ende des Oberhafens und die damit verbundenen Planungen.

Um alle Aspekte des Streites zu verstehen, muss man sich ersteinmal mit den Größenordnungen der verschiedenen Fußballfelder vertraut machen: Der Störtebeker SV und der Hamburger Sportbund wünschen sich ein volles sogenanntes 11-er Fußballfeld, auf dem auch Kreisliga-Spiele ausgetragen werden können, in der Regel hat ein solches Feld die Maße von 105 zu 68 Metern, sprich 7140 Quadratmeter. Ein kurzer Blick auf die Karte der HafenCity reicht um festzustellen, dass es nicht viele Stellen in der HafenCity gibt, an denen ein solches Feld überhaupt Platz hätte, und schon gar keine verfügbaren. Die ursprünglichen Planungen für ein Feld dieser Größe platzierten es in das Oberhafenareal mit einem Überstand in den Oberhafen hinein. Konstruktive Einschränkungen und explodierende Kosten nötigten den Planern aber ein kleineres Feld ab, erläuterte HafenCity-Chef Jürgen Bruns-Berentelg den Bürgern in der gut gefüllten Halle. Schon das mit 70×50 Meter große 9er-Feld, das jetzt stattdessen im Oberhafen realisiert werden solle, sei viermal so teuer wie ein reguläres Spielfeld, da durch den fehlenden Hochwasserschutz im Oberhafen umfangreiche bauliche Maßnahmen getroffen werden müssten, um nicht nach jeder Sturmflut das Feld erneut herstellen zu müssen. Von verschiedenen Akteuren wurde diese Strategie dann aus den unterschiedlichsten Gründen kritisiert. Der Hamburger Sportbund beispielsweise ist eigentlich der Meinung, dass ein Stadtteil der Größe der HafenCity drei volle Spielfelder benötige.

Einige Akteure aus dem Oberhafen fanden es entweder unzumutbar, dass überhaupt an diesem Ende des Areals etwas gebaut werde und im Übrigen das Areal für Kinder nicht geeignet wäre – ob damit die Nähe zum Gängeviertel-Nachtclub Moloch gemeint gewesen sei, wurde nicht näher ausgeführt – oder störten sich an dem ebenfalls geplanten Tunnel von der U4-Haltestelle. Der Störtebeker SV meldete sich erst gar nicht zu Wort, sondern saß dauerkopfschüttelnd in der letzten Reihe. Die anwesenden Bezirkspolitiker forderten Sportmöglichkeiten, ohne konkret irgendwelche ernsthaften Vorschläge zu machen – „wie wäre es denn mit dem Kleinen Grasbrook?“ Der schon kolportierte Ausweichort Entenwerder Park fiel zum Schluss dann auch noch aus dem Rennen, ebenfalls wegen fehlendem Hochwasserschutz und ebenfalls fehlendem Rückhalt der dortigen Bevölkerung. Und so blieben am Schluss die Beobachter etwas ratlos zurück: Lieber vielleicht gar kein Fußballfeld, ist sowieso billiger und keiner hat etwas zu meckern, oder die Sportanlage am Berliner Tor ausbauen und in die HafenCity eingemeinden? Eine Diskussion mit einigem Unterhaltungswert und der Erkenntnis, das Jürgen Bruns-Berentelg sich wirklich Mühe gemacht hatte, das realistisch Mögliche möglich zu machen. Der weitere Verlauf der Sitzung war dann weit weniger kontrovers. Anlieger des Lohseparks kritisierten die dortigen Planungen zum Verkehr, insbesondere, dass es auf den Nebenstraßen keine Geschwindigkeitsbegrenzungen oder Fahrhindernisse gäbe und die Kinder der drei am Lohsepark liegenden Kitas, bei dem Weg in den Park, gefährdet sind. Eine berechtigte Sorge, die vom Bürgerforum einhellig unterstützt wurde. n   MB