Dirk Schattner an der St. Thomas Kirche (Foto: CF)
Dirk Schattner an der St. Thomas Kirche (Foto: CF)

Der Entwurf eines musikalischen Theaterstücks wird in Rothenburgsort am 16. November vorgestellt

Es ist der Versuch einer Aufarbeitung. Unter dem Arbeitstitel „Anna und das Kinderkrankenhaus von Rothenburgsort“ erarbeitet der Musik- und Opernregisseur Dirk Schattner mit dem Komponisten Mario Stork ein musikalisches Theaterstück, das an die Ermordung von mindestens 56 Säuglingen und Kleinkindern durch ihre Ärzte in der NS-Zeit erinnern soll.

„Die Geschichte über die Ermordung der Kinder, die auf eine Entscheidung über Wert oder Unwert des Lebens beruht und von den Ärztinnen und Ärzten  willfährig ausgeführt wurde, will ich anhand einer fiktiven Figur – der kleinen Anna – darstellen“ erläutert Dirk Schattner seinen künstlerischen Ansatz.  Aus den Ereignissen, die das Kinderkrankenhaus an der Markmannstrasse ab 1940 zum Tötungsort für Kinder mit Behinderung werden ließen, und die bis zum heutigen Tag nicht zuletzt auf das Leben der Familienmitglieder der Opfer, einen erheblichen Einfluss haben, entsteht derzeit ein Werk aus Dialogen und musikalischen Stücken.

Hildegard Thevs begrüßt den Ansatz und die Idee des Künstlers. Ihren hartnäckigen Recherchen ist es zu verdanken, dass das Leben und der Tod der Kinder öffentlich bekannt wurden. Für das Buch „Biographische Spurensuche“ gelang es Thevs als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Stadtteilarchivs Hamm für 34 der ermordeten Kinder ein Teil der Lebens- und Krankengeschichte zu rekonstruieren. „Ich habe den ersten Entwurf gelesen und finde, dass Herr Schattner sehr behutsam mit dem Thema umgeht“ so Thevs. Dabei lebt Dirk Schattner noch nicht lange in Rothenburgsort.  Nach Zwischenstationen unter anderem am Anhaltisches Theater und in Bayreuth,  zog er der Liebe wegen in die USA und kam dann zurück nach Hamburg, wo er an der Musikhochschule Musiktheater Regie studierte.Mit seiner Ehefrau, der Opernsängerin Kathryn Wieckhorst, zog er vor einem Jahr nach Rothenburgsort. Sie fanden schnell Kontakt zu ihren neuen Nachbarn und bekamen Einblicke in die Geschichte des Stadtteils. Und so erfuhr Schattner von der kurzen aber dunklen NS-Zeit in der langen Geschichte des vom jüdischen Kinderarztes Carl Stamm gegründeten Kinderkrankenhauses.

Derzeit laufen Gespräche für einen Gedenkort am ehemaligen Kinderkrankenhaus in der Marckmannstrasse. Die Premiere für sein musikalisches Theaterstück plant Dirk Schattner für 2018. Vorher will der Neu-Rothenburgsorter seinen Nachbarn und Verantwortlichen aus Politik und Kultur den Entwurf vorstellen und mit ihnen diskutieren. Dazu lädt er alle Interessierten am 16. November um 15 Uhr in die St. Thomas Kirche ein. n    CF