Beim Rollstuhl-Basketball gelten die gleichen Bedingungen wie für Dirk Nowitzki

Seit dem Frühjahr gibt es in der Hansestadt die Hamburger Rolli-Allianz. Unter der Schirmherrschaft der Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen, Ingrid Körner, haben sich Partner aus Politik, Wirtschaft und Sport zusammengeschlossen, um im besonderen körperlich behinderten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, mit nichtbehinderten Altersgenossen erfolgreich Sport zu treiben. In Schnupperkursen sollen an Hamburger Schulen verschiedene Rollstuhlsportarten angeboten werden, um Kindern mit speziellem Förderbedarf mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu geben, die Mobilität und das Leistungsvermögen zu steigern, aber auch, um inklusive Strukturen zu schaffen, in denen behinderte und nichtbehinderte Kids Berührungsängste überwinden und sich über den gemeinsamen Sport besser kennenlernen können.

Der große Rollstuhlsporttag für Hamburger Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 in der Inselparkhalle in Wilhelmsburg im April machte den öffentlichen Auftakt der Hamburger Rolli-Allianz, den das BG Klinikum Hamburg gemeinsam mit dem Deutschen Rollstuhlsport Verband (DRS) und dem Referat Bewegung& Sport des Landesinstituts Hamburg organisierte.

Mehr als 400 Kinder und Jugendliche aus 12 Hamburger Regel- und Förderschulen hatten sich angemeldet, um sich einen Tag lang spielerisch mit dem Thema Rollstuhlsport  auseinander zu setzen.  Neben rollstuhlspezifischen Aufgaben und Übungssituationen, waren die schulübergreifenden Rollstuhlbasketball-Turniere das Highlight des Aktionstages.

 

Eine zentrale Rolle bei allen Aktivitäten spielt Peter Richarz, DRS-Lehrbeauftragter,

Diplom Sportlehrer und Reha-Spezialist für Sportverletzungen im BG Klinikum Hamburg. Er ist Nationaltrainer der U23 Rollstuhlbasketball-Mannschaft, mit der er im Juni zur WM nach Toronto fliegt. Und er ist sportlich gesehen die treibende Kraft hinter der Rolli-Allianz. Unter der Federführung des Deutschen Rollstuhlsport Verbandes möchte Richarz in den nächsten drei Jahren einen Großangriff unter dem Motto „Rollstuhlsport macht Schule“ auf die Hamburger Lehrer- und Schülerschaft machen und den Rollstuhlsport als Inklusionsprojekt an allen Hamburger Schulen etablieren. Lehrkräfte sollen sensibilisiert und geschult werden, damit inklusiver Sport irgendwann ein fester Bestandteil des Lehrplans ist.

Auf dem Rollsporttag konnten sich die Zuschauer bereits davon überzeugen, wie gut das Konzept funktioniert. Um die Perspektive ihrer im Rollstuhl sitzenden Mitschüler besser verstehen zu können, setzten sich beispielsweise nicht behinderte Kids in Rollstühle und flitzten gemeinsam mit behinderten Mitspielern durch die Inselparkhalle. Erst jetzt konnten viele verstehen, wie schwierig es ist, aus der Sitzposition z.B. in den hochhängenden Basketballkorb zu werfen. Dieser wird übrigens nicht extra niedrig positioniert, er hat die gleiche Höhe wie für einen Dirk Nowitzki mit einer Körperlänge von 2,13 Metern. „Das ist es, was wir trainieren“, sagt Peter Richarz. „Vertrauen in die eigene Stärke und auch aus einer zunächst nachteilig erscheinenden Position eine hervorragende Leistung zu erbringen.“ Ein Höhepunkt für den Rollstuhlsport wird sicherlich die WM im nächsten Jahr sein, die man nach Hamburg in die Wilhelmsburger Inselparkhalle holen konnte. Hier ist auch die Heimat der in der 2. Bundesliga Pro A spielenden Hamburg Towers.

Zur Hamburger Rolli Allianz gehören neben den Initiatoren des Deutschen Rollstuhlsport-Verbandes, die Stiftung „Allianz für Kinder“ und der Verein „Allianz für die Jugend“, sowie die Evangelische Stiftung Alsterdorf, der Hamburger Sportbund und der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Hamburg. TEN

 

Fotos: TEN