Senator Kerstan mit den Mehrwegbecher-Alliierten. Links neben ihm Zamira Azimi von der Speicherstadt Kaffeerösterei (Foto: TEN)

Umweltbehörde und Hamburger Kaffeeanbieter stellen Kehr.Wieder.Kampagne vor

In Deutschland werden rund 2,8 Milliarden Wegwerfbecher pro Jahr verbraucht, das verursacht etwa 40.000 Tonnen Müll. Die HafenCity Bewohner können ein Lied davon singen, denn gerade rund um die Elbphilharmonie stehen nicht genügend Müllbehälter zur Verfügung, sodass hier der Becher-Müll häufig auf den Plätzen und an der Straße einfach entsorgt wird.

Aber die ganze Stadt kennt das Problem mit den Wegwerfbechern und so hat die Umweltbehörde nun einen ersten Schritt zur Müll-Vermeidung getan, in dem sie die „Kehr.Wieder.Kampagne“ ins Leben gerufen hat. In 256 Hamburger Cafès, deren Filialen und bei Bäckereien kann man ab sofort 10 bis 30 Cent Rabatt auf seinen Kaffee bekommen, wenn man seinen eigenen Becher mitbringt. Welche Geschäfte bei der Aktion mitmachen, ist über eine interaktive Karte im Internet zu finden. In der HafenCity sind es vorerst die Campus Suite Filialen, Dat Backhus und die Speicherstadt Kaffeerösterei. 33% der Coffee to go Becher gehen in Hamburg in Bäckereien über den Tresen. Deshalb ist der Obermeister der Hamburger Bäckerei-Innung Jan-Henning Körner besonders daran interessiert, seinen Mitgliedern die Aktion nahe zu bringen. „Dazu musste allerdings erst einmal eine eindeutige Hygieneverordnung her, denn das Rüberreichen über den Verkaufstresen von mitgebrachtem Geschirr war bisher zwar nicht verboten, aber eben nicht deutlich geregelt.

Die Bäckereien haben deshalb bisher das Befüllen von mitgebrachten Bechern abgelehnt“, so Körner. Das ist jetzt passiert und kann in einem Ratgeber zum Befüllen von Mehrwegbehältnissen, den die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz herausgegeben hat, nachgelesen werden. Umweltsenator Jens Kerstan, der das Kehr.Wieder Projekt im November in der Kaffeerösterei in der Speicherstadt vorstellte, hofft mit der Aktion die Abfallmasse an Wegwerfbechern gerade im Innenstadtbereich deutlich verringern zu können, denn mit 36 % machen Wegwerfverpackungen aus dem Food-Bereich den größten Anteil der Abfallmasse in der Innenstadt aus, 13% davon sind Einwegbecher. Im Bistro in Kerstans Umwelt-Behörde sind seit knapp einem Jahr nur noch Mehrwegbecher für den to-go-Kaffee im Einsatz, so spare man allein dort 15.000 Becher jährlich. Der zweite Schritt bei der Vermeidung der Becher-Müllberge soll dann ein Becher sein, der mit einem Pfandbetrag belegt wird und der an jeder anderen Coffee-to-go Ausgabestelle abgegeben werden kann.

Ob sich diese beiden Angebote bei den Verbrauchern durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Nicht jeder mag ständig einen Becher bei sich haben und ob das Pfandangebot attraktiv ist, ist fraglich. Michael Müller, Vertriebsdirektor bei Starbucks ist da skeptisch. Sein Unternehmen verlangt seit vielen Jahren 30 Cent Pfand für jeden Becher. Die Rückgabequote sein erschreckend niedrig, so Müller. Die aktuellen Kehr-Wieder-Filialen sind an einem Aufkleber mit dem Kampagnen-Logo an der Tür zu erkennen. Welche Filialen im Einzelnen dabei sind und wo diese liegen, lässt sich mit wenigen Klicks herausfinden unter www.hamburg.de/kehrwieder n TEN