Ein neues Buch verleiht einem vielen Hamburgern weitgehend unbekannten Stadtraum Gestalt und zeigt sein Potenzial: Der Billebogen-Atlas bietet Einblick in die faszinierende Vielfalt und wechselvolle Entwicklung des Gebiets zwischen Elbbrücken und Billebecken. Bisher wird das Areal am Auftakt der inneren Stadt, wenn man die Elbbrücken von Süden kommend passiert hat, meist nur flüchtig wahrgenommen. Vielen gilt es als bloßer Transitraum in Richtung City, HafenCity oder zum Hamburger Osten. Dass es sich in Wahrheit um einen Stadtraum mit vielen interessanten, äußerst heterogenen Orten handelt, dokumentiert das von der städtischen Billebogen Entwicklungsgesellschaft & Co. KG (BBEG) herausgegebene Buch. Der Billebogen-Atlas zeigt zugleich, dass es sich in zentralen Bereichen um einen „lauten“, von Verkehrsimmissionen stark belasteten Ort handelt, der an die Stadtentwicklung besondere Herausforderungen stellt: Wie bringt man die Interessen von Unternehmen und Bewohnern, Themen der Infrastrukturentwicklung, aber auch der qualitätsvollen Freiraumentwicklung in Einklang? Der Billebogen-Atlas schärft die Wahrnehmung für diese Fragen und zeigt mögliche Antworten auf, ohne einer konkreten Planung vorgreifen zu wollen.

 

Seit 2015 auf Basis einer professionellen Grundlagenermittlung und im Dialog mit verschiedenen Akteuren im Rahmen einer Begleitgruppe entstanden, bündelt die Publikation auf 112 Seiten erstmals systematisch alle Informationen zum Stadtraum und arbeitet seine Geschichte als Teil des Bezirks Hamburg Mitte und als westlicher Teil von Rothenburgsort seit Anfang des 19. Jahrhunderts auf. Aber auch die Gegenwart wird auf rund 200 Fotos, Plänen und Karten sowie in Begleittexten anschaulich dargestellt. Die BBEG, eine Tochter der HafenCity Hamburg GmbH, wurde im Rahmen des Programms „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ mit der Entwicklung des Billebogens betraut, der sich über eine Gesamtfläche von etwa 79 Hektar mit überwiegend privaten Grundstücken und großen öffentlichen Verkehrsflächen erstreckt. Die BBEG verfügt über rund 20 Hektar Grundstücksfläche als Ausgangspunkt der Entwicklung.

 

Gemeinschaftliches Nachdenken über einen besonderen Chancenraum

 

„Der Billebogen-Atlas liefert eine gemeinschaftliche Wahrnehmungs- und Wissensgrundlage für Diskussion über die Zukunft des Gebiets“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung der BBEG, Prof. Jürgen Bruns-Berentelg. Die umfassende Bestandsaufnahme bilde die unabdingbare Voraussetzung für strategische Planungen, zugleich aber auch eine Dialogebene. „Dies ist umso wichtiger, als die Unterschiedlichkeit der Orte im Billebogen eine große übergreifende Strategie, die jeden Ort gleich behandelt, verbietet. Der Billebogen-Atlas bereitet die Grundlage einer handlungsorientierten ,Bottom up-Planung’, die keinen umfassenden Masterplan verträgt oder gar erfordert. Er ist eine Einladung an alle Bewohner, Beschäftigten und Interessierten, gemeinschaftlich über diesen besonderen Chancenraum in Rothenburgsort weiter nachzudenken“, betont Prof. Bruns-Berentelg.  

 

Urbane Produktion schafft Arbeitsplätze

Vor diesem Hintergrund erlaubt der Billebogen-Atlas eine Annäherung an die verschiedenen Orte und bietet am Ende einen Ausblick auf Schwerpunkte der Transformation.  Dazu gehört der Neue Huckepackbahnhof, ein früherer Rangierbahnhof zwischen Billhorner Brückenstraße und Billstraße, als großes zentrales Grundstück. Der 10,8 Hektar umfassende Neue Huckepackbahnhof ist aufgrund seiner starken Lärmbelastung und seiner innenstadtnahen Lage als innovativer, verdichteter Produktionsort prädestiniert. Er hat das Potenzial, in zentraler Lage die Wertschöpfungskette der Stadt zu stärken, ihren Branchenmix zu diversifizieren und die Freie und Hansestadt bei zukunftsweisenden Trends im sich entwickelnden Feld der Urbanen Produktion zu positionieren. Es handelt sich also keineswegs einfach um ein weiteres Gewerbegebiet, sondern um ein neuartiges Konzept der „gestapelten Produktion“, eingebettet in eine besondere Infrastruktur mit Erschließung auf zwei Ebenen. Ein zentrales Ziel ist, eine hohe Zahl von hochwertigen Arbeitsplätzen zu schaffen – im Endausbau ist auf dem Neuen Huckepackbahnhof mit 2.500 bis 3.000 Arbeitsplätzen zu rechnen. Den Anfang machen die Werkstätten sowie der Kulissen-, Kostüm-, und Maskenfundus der Hamburgischen Staatsoper. Beide werden im Herbst 2017 und Sommer 2018 in zwei Phasen in einen Neubau auf dem Standort übersiedeln.

 

Bessere Anbindung und Vernetzung für ganz Rothenburgsort

„Für den Erfolg des Neuen Huckepackbahnhofs, wie auch von vielen anderen Teilarealen des Billebogens, ist es entscheidend, ihre Anbindung und Erschließung deutlich zu verbessern“, ergänzt Prof. Bruns-Berentelg. Besonders die Verknüpfung, insbesondere mit der direkt benachbarten, heranwachsenden HafenCity, solle gestärkt werden. Hierzu wurde für den Neuen Huckepackbahnhof ein neues multiples Erschließungskonzept entwickelt, das die Arbeitsplätze gut erreichbar macht und verträglich in die Umgebung integriert. Ein weiterer Treiber dafür ist die Infrastrukturentwicklung an den Elbbrücken mit der gleichnamigen U- und S-Bahn-Station ab 2018 sowie die geplante Feinerschließung zwischen Rothenburgsort und der HafenCity über zwei Fahrrad- und Fußgängerbrücken. Im Nordosten des Neuen Huckepackbahnhofs erfährt der S-Bahnhof Rothenburgsort voraussichtlich 2019 eine Sanierung, Fußgänger- und Fahrradwege sowie Busverbindungen ergänzen das Netzwerk.

 

Mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität

An einer der meistbefahrenen Straßen Hamburgs, der Billhorner Brückenstraße, zeichnen sich Perspektiven für eine höhere Lebens- und Aufenthaltsqualität ab: „Die in den 1960-er Jahren als „Autobahnohren“ angelegten Auffahrten auf die Bundesstraßen B 4 und B 75 lassen sich – unter Erhalt der verkehrlichen Effizienz – mit erheblichem städtebaulichen Gewinn wenigstens zum Teil zurückbauen“, so Prof. Bruns-Berentelg. Der Raum um die Billhorner Brückenstraße könnte so eine neue räumliche Fassung und einen neuen Charakter des Stadteingangs erhalten. In die künftige Bebauung der frei werdenden Flächen ließen sich an den lärmabgewandten Seiten des Autobahnkleeblatts potenziell sogar Wohnungen integrieren. Bestehende Wohnlagen würden an verschiedenen Stellen besser geschützt. Die Entwicklung von Wohnraum spielt aufgrund der hohen Lärmimmissionen im Billebogen insgesamt aber eine untergeordnete Rolle, im Vordergrund steht das Schaffen von gut erreichbaren, hochwertigen Arbeitsplätzen.

Nicht zuletzt können zusätzliche Grün- und Freizeitqualitäten stärker erschlossen werden. Der Billebogen liegt in einer Flusslandschaft zwischen Elbe und Bille, die bisher an vielen Stellen kaum erfahrbar ist. Frei zugängliche Uferstreifen mit Promenaden, besonders am südlichen Billebecken, und insgesamt ein verbesserter Zugang zum Wasser gehören daher ebenso zu den Schwerpunkten der Trans