Mit dem Elbtower setzt Hamburg ein architektonisches Ausrufungszeichen hinter die Stadtentwicklung der letzten Jahrzehnte

Vor einem knappen Jahr stellte der Hamburger Senat erste Pläne für den Bau eines markanten Hochhauses an den Elbbrücken vor, den sogenannten Elbtower. Jetzt stehen Bauherr und Architekt fest, die nach Willen des Senats einen städtebaulichen Kontrapunkt im Osten der HafenCity zum Bau der Elbphilharmonie im Westen setzen sollen.

Das Architekturbüro des Briten Sir David Chipperfield lieferte nach Meinung einer Jury aus Architekten, Städtebauern und Immobilienfachleuten dabei den besten Entwurf für das 235 Meter hohe Gebäude ab, das im Quartier Elbbrücken am östlichsten Zipfel der HafenCity stehen soll. Der Entwurf des renommierten Londoner Büros, das mit zahlreichen internationalen Preisen und Auszeichnungen aufwarten kann, unter anderem für den Wiederaufbau des Neuen Museums in Berlin, hatte die Juroren mit „Gelassenheit, Eleganz, Einfachheit und trotzdem Selbstbewusstsein“ überzeugt. Hamburgs neuer Oberbaudirektor Franz-Josef Höing spricht von einem schönen, schlanken Turm, der in „seiner Feinheit mit einer filigranen Fassade sowie der weißen Textur an die hanseatische Tradition der weißen Stadt am Wasser..“ anknüpfe. David Chipperfield Architects ist es offensichtlich am besten gelungen, das fast dreieckige Grundstück, das zwischen Bahntrasse und Autobahn liegt und das einer hohen Lärm- und Windexponiertheit ausgesetzt ist, mit dem schlanken und leicht verdrehten weißen Büroturm zu bespielen. Das Gebäude soll in den Sockelgeschossen öffentliche Flächen bekommen, auf denen sich Entertainment, Einzelhandel und Gastronomie ansiedeln sollen. Eine halböffentliche Nutzung für ein Hotel, Fitness- und Wellnessbereiche, Co-Working Flächen und ein Kinderland sind vorgesehen, Wohnungen wird es im Elbtower auf Grund der extremen Lärmwerte nicht geben. Und auch eine öffentliche Aussichtsplattform in luftiger Höhe ist vorerst nicht in der Planung. Laut Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Chef der HafenCity Hamburg GmbH, sei dazu ein eigenes Treppenhaus und eine Logistik für einen Touristenbetrieb von Nöten. Außerdem würde man den Hamburger Aussichtsflächen, wie dem Fernsehturm oder der Elbphilharmonie mit identischen Sichtachsen, eine ungewollte Konkurrenz machen. Als Investor hat den Hamburger Senat die Signa Gruppe überzeugt. Das vom österreichischen Unternehmer Rene’ Benko gegründete Immobilienunternehmen stehe für Wirtschaftlichkeit und Realisierungssicherheit heißt es. Ein wichtiger Punkt für Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz, der es nicht bei Planungen belassen will oder im schlimmsten Fall sogar bei einer jahrelangen Baugrube. Hier verwies Scholz auf die Schwierigkeiten bei den Bauarbeiten zum Überseequartier und bei der Elbphilharmonie in der HafenCity, die er bei seiner Amtsübernahme 2011 vorgefunden habe. Die Signa Gruppe ist in Hamburg außerdem keine unbekannte Größe, zu ihrem Portfolio gehören das Alsterhaus, das Kaufmannshaus und die Alsterarkaden und in Berlin das KaDeWe. Doch bevor das komplett privat finanzierte 700 Millionen Euro Projekt an den Start gehen kann, muss die Hamburgische Bürgerschaft in diesem Frühjahr den Plänen zustimmen. Ab März sollen außerdem alle eingereichten Entwürfe im Kesselhaus in der HafenCity öffentlich ausgestellt werden und es soll voraussichtlich für den Bebauungsplan des Standortes ein Bürgerbeteiligungsverfahren geben. Läuft alles glatt, könnte voraussichtlicher Baubeginn im Jahr 2021 sein, eine Fertigstellung 2025/2026. n  TEN