BU: v.l. Künstler Benjamin Maus, Richard Wilhelmer, Julius von Bismarck und Kuratorin Ellen Blumenstein
BU: v.l. Künstler Benjamin Maus, Richard Wilhelmer, Julius von Bismarck und Kuratorin Ellen Blumenstein

Können Stahl und Neonröhren Gefühle ausdrücken? In der HafenCity ist es möglich, aber nur mit Hilfe von Sicherheitskameras und eines Algorithmus. Ende November wurde auf der Kibbelstegbrücke der Smiley installiert und feierlich „erleuchtet“. Die kollektive Gefühlslage des Stadtteils ist nun für alle sichtbar.

Sieben Meter ist er hoch. Der Smiley kann lächeln, traurig aussehen und zornig oder überrascht blicken.  Die jeweilige Stimmung spiegelt die Gesichtsausdrücke von Passanten wieder, die in der HafenCity von eigens angebrachten Sicherheitskameras erfasst werden. Ohne die Bilder zu speichern, sendet eine Software die gemessenen Daten in Echtzeit an die Mechanik der Apparatur. Dort übersetzt ein von den Künstlern Julius von Bismarck, Benjamin Maus und Richard Wilhelmer entwickelter Algorithmus die Informationen in eine konkrete Emotion. Wie viele Kameras diesen kulturellen Dienst leisten und wo diese angebracht sind, wollen die Verantwortlichen nicht verraten. Dadurch soll sichergestellt werden, dass das Kunstwerk weder von Einzelpersonen beeinflusst werden kann, noch individuelle Befindlichkeiten wiedergibt. „Die Datenschutzrichtlinien werden erfüllt,“ bestätigt der Geschäftsführer der HafenCity Hamburg GmbH Prof. Jürgen Bruns-Berentelg und ergänzt „…über die Erfassung informiert ein Hinweis, der direkt an der Kamera angebracht ist.“ Während Bewohner der HafenCity sich Gedanken darüber machen, ob die winterliche Kälte und in ihrer Folge die verfrorenen Gesichtszüge eine falsche Information über die „kollektive Gefühlslage“ in die Stadt hinaus schickt, wissen die Auftraggeber, dass „…auf diese Weise das Public Face die Wahrnehmung von der eigenen Verfassung auf die Gefühlslage anderer Menschen in der Umgebung verlagert und potenziell gemeinschaftsfördernd wirkt.“  Zugleich lenke es die Aufmerksamkeit auf die Überwachungsinstrumente, die den öffentlichen Raum vielerorts im Visier haben, so der Pressemitteilung zu entnehmen. 

Ursprünglich wurde der Smiley im Jahr 2010 als temporäre Installation für den Leuchtturm an der Hafeneinfahrt von Lindau am Bodensee entwickelt. In den vergangenen Jahren wurde Public Face mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten in Wien, Stuttgart oder Jonköping in Schweden präsentiert. Für die HafenCity haben die Künstler von Bismarck, Maus und Wilhelmer den Prototypen weiterentwickelt. Mit der HafenCity Kuratorin Prof. Ellen Blumenstein kam die Idee im Rahmen des Projektes „Imagine the City“ in den Stadtteil.  „Eine gute Stadt entsteht durch gute Planung. Aber lebendig wird sie durch unvorhergesehene Nutzungen,“ so die erste Kuratorin der HafenCity, die seit August 2017 langfristige Strategien für den Stadtteil entwickelt, um dort kulturelle Anliegen einer diversen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Imagine the City“ ergänzt das breite kulturelle Angebot in der HafenCity und verfolgt nach eigenen Angaben einen strategisch-langfristigen Ansatz: die Verschränkung von stadtplanerischen und ästhetischen Fragen, die den Menschen und seine Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt ins Zentrum rückt. Gesichert wird die Grundfinanzierung des Kulturprogramms in der Pilotphase durch die HafenCity Hamburg GmbH. Der neu gegründete Verein Kunst  und Kultur in der HafenCity mit seinem Vorsitzenden Prof. Norbert Aust soll zusätzliche finanzielle Ressourcen für das kuratorische Programm akquirieren und verwalten. Seien wir also gespannt auf die nächsten Projektpunkte von „Imagine the City“. CF