Im Schuppen der Levante Linie, am Petersenkai, liegen Palmölfässer Baumwolle
wird entladen. (Foto: Hafen vom HH im Bild, Schmidt/Kofahl 1908)

Wer in die Quartiere in der HafenCity zieht, wohnt auf historischem Hafengebiet

Unser Gastautor Manfred Stempels  arbeitete von 1969 bis Ende 2003 bei der HHLA als Grafikdesigner und Fotograf und ist auch im Ruhestand immer noch in diesen Bereichen tätig. Er ist ein Kenner des Hamburger Hafens.

Viele Menschen werden in der östlichen HafenCity rund um den Baakenhafen eine neue Heimat finden. Der Baakenhafen umfasst den westlichen Teil des gleichnamigen Hafenbeckens und der zwei umgebenden Landzungen. Im Nordwesten grenzt der Baakenhafen an das Quartier Lohsepark im Osten an das Quartier  Elbbrücken. Allein in den Quartieren Baakenhafen  und Elbbrücken werden 3.500 Wohnungen gebaut,  davon sind am Versmannkai schon die ersten fertig gestellt. Außerdem sollen in diesem Gebiet rund 13.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.  In einer dreiteiligen Reihe wollen wir beschreiben, wie es hier früher einmal ausgesehen hat, wie das Hafenbecken entstanden ist und wie hier noch vor wenigen Jahrzehnten Schiffe und Ladung abgefertigt wurden

Die Verladung von westfälischer Kohle von der Bahn in einem Viermaster
am Kirchenpauerkai. (Foto: Hafen vom HH im Bild, Schmidt/
Kofahl 1908)

In den Jahren 1868 bis 1872 wurde eine der ersten Eisenbahnbrücken über die Elbe gebaut. Die Insel Baaken Wärder im Süden der Stadt schien am günstigsten zu liegen, um die Elbe hinüber auf die Veddel zu überqueren. Erhebliche Erdbewegungen waren nötig,  um die Elbe zur Insel Baaken Wärder zuzuschütten und den Eisenbahndamm zu bauen.  Baaken Wärder wurde  mit dem „Festland“ verbunden, der obige Elbarm war dadurch abgeschnitten und die Insel wurde  zu einer Halbinsel. Nachdem die Uferlinien begradigt worden waren , begann man 1885 bis 1887 an dem entstandenen Elbarm mit dem Bau des Baakenhafens.

Blick vom Kirchenpauerkai, Richting Elbbrücken. (Foto: Hafen vom HH im Bild, Schmidt/Kofahl 1908)

Der Hafen sollte zunächst als Liegeplatz für die Flussschiffe dienen,  aber durch den ständig wachsenden Verkehr von und nach Übersee  wurde er bald für die Seeschifffahrt ausgebaut.  Das Hafenbecken war dabei länger und breiter und hatte eine größere Wassertiefe,  als die Becken in Sandtor- und Grasbrookhafen, so dass hier größere Schiffe abgefertigt werden konnten. Am Nordufer entstand der Versmannkai, hier standen  die modernsten Fruchtschuppen Europas ihrer Zeit. Erst 1892 wurden der gegenüberliegende Petersenkai und auf der Elbseite der Kirchenpauerkai, fertiggestellt.  Alle Kaistrecken wurden nach Hamburger Bürgermeistern aus dem 19. Jahrhundert benannt.

Plan der Stadt um 1850 mit der Insel Baaken Wärder in der Elbe.
(Foto: Speicherstadtmuseum)

Am Versmannkai wurden Schiffe aus dem Mittelmeerländern, England, Portugal und Ostafrika be- und entladen. Am Petersenkai waren es Schiffe der Woermannlinie und der Deutschen Ost-Afrika Linie, die die Kolonien des damaligen Deutschen Reiches wie Kamerun, Togo, Tansania und Namibia anliefen. Auch die Deutsche Levante Linie und Frachter aus dem Mittelmeer und des Schwarzen Meeres wurden hier abgefertigt und die HAPAG hatte hier damals ihre Stammstrecke.  Am Kirchenpauerkai waren es Linien die nach Holland, Dänemark,  Schweden und Finnland fuhren undim östlichen Teil der Kaianlage wurde Kohle aus Westfalen verladen.

Im alten Sandtorhafen bewegten sich die Dampfkrane noch auf einer drei Meter breiten Spur direkt an der Kaimauer und behinderten so den Fuhrwerkverkehr. Im Baakenhafen setzte man die Krane auf hohe Halbportalgerüste, so blieb die Schuppenrampe frei für die Fuhrwerke, 

Der erste Elektrokran am Petersenkai 1891 (Foto: Archiv Stempels)

später wurden die Dampfkrane ersetzt durch Elektrokrane.Die ersten beiden elektrisch betriebenen Krane wurden am Petersenkai 1891 in Betrieb genommen. Damit hatte der Hamburger Hafen einige Jahre lang die modernsten Kaikrane der Welt, sieht man von dem allerersten Elektrokran ab, der schon ein Jahr zuvor in Altona in Betrieb gegangen war. Durch den Ausbruch der Cholera im August 1892 wurde die technische Entwicklung unterbrochen und der Hamburger Hafen wurde jahrelang von vielen Reedereien gemieden.  Der Umschlag ging stark zurück, erst fünf Jahre später erholte sich der Hafen und die Modernisierung der Hafenanlagen ging weiter. 1888 betrug der Gesamtumschlag des Hamburger Hafens 6,3 und 1913 schon 25,5 Millionen Tonnen.

 

An den Fruchtschuppen wird die empfindliche Ware abtransportiert, damals die
modernsten in Europa Sie standen an der Stelle wo jetzt die Universität ist. (Foto:
Hafen vom HH im Bild, Schmidt/Kofahl 1908)

Die Hafenarbeit am Ende des 19. Jahrhunderts bestand weitgehend aus schwerer und gesundheitsgefährdender Arbeit und in den meisten Fällen handelte es sich um unregelmäßige Beschäftigung. Es gab Arbeitszeiten mit Schichtlängen von bis  zu 72 Stunden. Im November 1896 bis Februar 1897 wurde gestreikt. Trotz einer breiten öffentlichen Unterstützung der Streikenden, blieb der Streik  für die Arbeiter ergebnislos.  Das sollte sich erst nach der Novemberrevolution 1918 ändern.

Manfred Stempels

In der nächsten Ausgabe: Die 20er und 30er Jahre