Editorial

Hamburg und die HafenCity, Hort schlechten Wetters und immer Grau mit Nieselregen? Der vergangene Winter entsprach vielleicht diesem Etikett, das der Hansestadt so gerne verliehen wird. Seit Frühlingsbeginn werden wir aber äußerst großzügig mit Sonnenstunden verwöhnt – nicht nur gefühlt rekordverdächtig. Selbst der Hafengeburtstag fand fast unüblich bei meist strahlendem Sonnenschein statt. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber mir fällt es schwer, bei so schönem Wetter konzentriert zu arbeiten, es locken das Wasser, die Cafés und Promenaden. Und dann kommt das was kommen muss: Man verlässt den Schreibtisch, macht sich auf den Weg und kehrt spätestens an der Treppe zu einer der vielen Promenaden um – es sind einfach zu viele Menschen in der HafenCity, die mit der gleichen Idee unterwegs sind, und das nicht nur an den üblichen Brennpunkten, sondern überall. Es scheint, als hätte alle Menschen ein Virus infiziert, der sie ans Wasser treibt. Will man den Menschenmassen entgehen, muss man weg vom Wasser – oder aufs Wasser.

Die Statistiken unterstreichen den subjektiven Eindruck: Hamburg ist in und nicht zuletzt wegen Elbphilharmonie und HafenCity immer beliebter bei Touristen aus aller Welt. Entgegen aller Kritik ist der neue Stadtteil gelungen, fast schon für diejenigen, die in ihm leben, zu gelungen – die Geister, die die Planer riefen, werden sie jetzt nicht wieder los. Denn jetzt kommen die Kritiker aus den Reihen der Bewohner, die den Magnetismus, den ihr Stadtteil auf andere ausübt, mit gemischten Gefühlen sehen, gerne dabei vergessend, dass, wenn es nicht so gelungen wäre, sie auch nicht so gerne hier leben würden. Und so müssen wir alle teilen und uns in vielen Tugenden üben: Geduld, Großmut und Gelassenheit – alles andere verkürzt nur das Leben und das wäre ja schade bei dem schönen Wetter.