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Editorial

Der Dieselskandal rüttelt die deutsche automobile Gesellschaft ordentlich auf, er zieht Veränderungen nach sich, die die Zusammensetzung des städtischen Verkehrs disruptiv und schnell verändern werden und schon verändern. Ich erlebe es selbst: Seit diesem Sommer sorgt ein Plugin-Hybrid für halbwegs ökologische Fortbewegung innerhalb der Stadt. Der Familienrat hatte entschieden, wenn schon Auto, dann bitte mit elektrischer Komponente. Reichweitenprobleme sprachen noch gegen eine rein elektrische Lösung, aber ein bisschen Elektro war dann auch konsensfähig. Als wir letztes Jahr diese Entscheidung trafen, waren die Parkplätze an den Ladesäulen meist verwaist oder von konventionellen Autos zugeparkt, doch wie schnell kann sich eine Situation ändern. Hamburg gehört zu den Städten mit guter Ladeinfrastruktur, allein in der HafenCity gibt es eine Reihe von Möglichkeiten Strom zu tanken – und doch ist es diesen Winter bereits schwierig, einen Platz an den Ladesäulen zu finden, denn: Elektro boomt und gerade in den Stadtteilen, in denen die Mittelklasse wohnt. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Infrastruktur nicht mithalten kann.

In unserer Tiefgarage hat es ein Mitbewohner geschafft eine Wallbox zu installieren, weitere werden von den Stromversorgern abgelehnt, wegen der Belastung der Netze, draußen sind die Plätze belegt, zu fast jeder Tages- und Nachtzeit. Wohl dem, der kein reines Elektroauto sein eigen nennt und immer noch konventionell tanken kann. Es ist abzusehen, dass diese Situation schon nächstes Jahr für reichlich Ärger sorgen wird – und für das eine oder andere liegen- gebliebene Elektroauto. Wenn die Stadt den beginnenden Boom nicht gleich wieder abwürgen will, muss sie jetzt schnell handeln und die Infrastruktur komplett neu dimensionieren, sonst gibt es ein Fiasko, wie aktuell mit dem Landstrom in Altona für die Kreuzfahrtschiffe. MB

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