Editorial

Das Thema Verkehr in der HafenCity ist ja ein Dauerbrenner: Die einen würden am liebsten aus der HafenCity eine große Fußgängerzone machen, für die anderen ist der Stadtteil ein Experimentierfeld für ungewöhnliche Methoden der Fortbewegung. Wer sich an einem Sonntag an eine der Straßen der westlichen HafenCity setzt, kommt als Ortsfremder aus dem Staunen nicht wieder heraus. Was einem da nicht alles im Laufe des Tages begegnet, Pferdekutschen mit betrunkenen Männergruppen, die Bierfahrräder sind auch wieder aus der Versenkung aufgetaucht, motorisierte Go-Carts und Mini-Autos, Fahrradtaxis, Traktorenparaden, schwimmende Busse… und bestimmt ist das nicht alles. Nächstes Jahr kommt dann die nächste fahrende Attraktion auf die Straßen der HafenCity zu: Der autonom fahrende Minibus. Bei all dem exotischen Treiben auf unseren Straßen wird der Einsatz dieser Busse sicherlich der ultimative Test für die Assistenzsysteme der Hersteller. Wer es in der HafenCity unfallfrei schafft seine Runden zu drehen, der schafft es überall – härter geht es nirgendwo zu.  

Man wundert sich über das Selbstvertrauen der Hersteller – oder wahlweise über deren Unkenntnis ob der Verhältnisse vor Ort. Noch vor zwei Jahren stand ich in Diskussionen ziemlich auf einsamen Posten mit meiner Meinung, dass das autonome Fahren schneller kommt als wir alle denken – und jetzt ist es kurz vor dem Einsatz in der Realität. Der Platz, um über die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen zu diskutieren ist hier leider zu knapp, aber er wird gravierend sein und niemand, schon gar nicht die Politik, ist darauf vorbereitet. Um die Entwicklung zu stoppen, ist es im Großen wie im Kleinen zu spät, dafür ist der Druck der Wirtschaft einfach zu groß. Man hätte sich aber gewünscht,  dass eine derart disruptive Technologie erst zum Einsatz kommt, wenn alle sich über die Folgen im Klaren sind und Visionen für eine Zeit danach Gestalt gewonnen haben. Im Zirkus HafenCity macht eine „Attraktion“ mehr oder weniger aber nichts aus …