Ein Acker für die Stadt von morgen (Foto: C. Munzinger)
Ein Acker für die Stadt von morgen (Foto: C. Munzinger)

KOLUMNE

Jörg Munzinger schreibt in seiner Kolumne „#urbnhafencity“ über seine Eindrücke und Beobachtungen in der HafenCity. Seine Leidenschaft sind Immobilien, Architektur und Städtebau. Er wohnt in der HafenCity.

Visionen auf der grünen Wiese

Wenn man den Prognosen Glauben schenkt, soll Hamburg bis 2035 jährlich um ca. 20.000 neue Bewohner wachsen. Das Wohnungsbauprogramm des Hamburger Senates setzt sich das Ziel 10.000 neue Wohnungen pro Jahr zu schaffen, davon allein soll das städtische Wohnungsbauunternehmen SAGA jährlich 2.000 neue Wohnungen bauen. Zum Vergleich: Nach über 20 Jahren Entwicklungszeit werden einmal in der HafenCity 15.000 Bewohner leben.  Auch wenn man berücksichtigt, dass die HafenCity ein ambitioniertes Stadtentwicklungsprojekt mit einer Vielzahl weiterer Nutzungen ist, dauert Qualität immer eine längere Zeit.

Soweit die Zahlen. Für den  Wohnungsbau gibt es in Hamburg allerdings immer weniger Grundstücke.  Mit dem Schließen von Baulücken, Dachaufstockungen oder der Bebauung von Hinterhöfen wird sich das Problem nicht lösen lassen. Große Quartiere müssen wieder entstehen, nicht in Jahrzehnten sondern in wenigen Jahren. Geplant werden sie auf der grünen Wiese, zum Beispiel in Oberbillwerder am Stadtrand im Osten Hamburgs. Einziger Standortvorteil dort: Eine S-Bahn Station mit einer Entfernung von 15 Fahrminuten zum Hauptbahnhof. 

Herausforderung wird es hier sein, dem künftigen Stadtteil Identität und Charakter zu geben. Die grüne Wiese hat es hier ungleich schwerer, als die HafenCity mit ihrer Lage zwischen Speicherstadt und Elbe. Oberbillwerder soll ein urbanes Quartier mit 7.000 Wohnungen werden. Geplant ist eine ähnliche Bebauungsdichte wie in innerstädtischen Vierteln.

Diese Wohnungen könnten aber auch in viel zentraleren Lagen auf Grundstücken der Stadt entstehen. Häufig werden in Hamburg innenstadtnahe Lagen durch Schrebergärten genutzt. Dies ist schön für die wenigen, die einen Schrebergarten besitzen, aber wohl kaum für die Allgemeinheit. Im konkreten Beispiel Oberbillwerder bedeutet dies, dass bis zu 15.000 Menschen täglich in die Innenstadt pendeln müssen, während auf einer vergleichbaren Grundstücksfläche, 400 Schrebergärtner ihr Glück im innerstädtischen Grün finden.  Schade, dass in Hamburg der Mut fehlt, besser Schrebergärten an den Stadtrand zu verlagern, um zentralen Wohnungsbau zu ermöglichen.