Bernd Dopp: Seit 40 Jahren auf Augenhöhe mit den Stars

Einen wie ihn wünscht man sich als Chef: Bernd Dopp, CEO von Warner Music Central Europe und  bei weitem dienstältester Geschäftsführer im deutschen Musikbusiness, ist eine Autorität ohne autoritär zu sein. In seiner Bescheidenheit stellt er stets sein Team in den Vordergrund, über sich selbst zu reden fällt ihm schwer, sein 40jähriges Branchenjubiläum hat er komplett vergessen. Jeder Anflug von Arroganz ist ihm fremd und das, obwohl er weltweit einer der mächtigsten Vertreter der Musikbranche ist.  Eric Clapton, David Bowie, Led Zeppelin, Neil Young, Lou Reed, George Harrison, Miles Davis, Ed Sheeran, Bruno Mars, Peter Fox, Udo Lindenberg– um nur einige wenige zu nennen – Bernd Dopp kennt sie alle – und alle kennen ihn.

Die Liebe zur Musik hat Bernd Dopp von seiner Mutter geerbt. Sie zog die beiden Söhne in Barmbek fast allein groß, der Vater fuhr zur See und war selten zuhause. „Er war auch eher technisch interessiert“, sagt Bernd Dopp, „während meine Mutter eindeutig die Musik ins Haus holte.“ Dennoch stand nach dem Schulabschluss ein Studium auf dem Plan, Politologie und Anglistik sollten es sein, aber der frischgebackene Abiturient versäumte die Anmeldefrist. Sehr zum Ärger der Mutter, die ihn aufforderte,  sich so schnell wie möglich eine Arbeit zur Überbrückung der Wartezeit zu suchen. Per Kleinanzeige wurde in Wandsbek ein Schallplattenverkäufer gesucht – Bernd Dopp bewarb sich und vorbei war der Traum der Eltern vom Studium, die sich mit einem „Schallplattenverkäufer“ als Langfristperspektive gar nicht anfreunden wollten. Das mussten sie auch nicht. Denn bereits 1979 bekam Bernd Dopp ein Angebot der noch jungen Firma Schaulandt, die zu der Zeit den Hifi- und Musikeinzelhandel  in der Hansestadt revolutionierte. Ans Nedderfeld, wo es außer Opel Dello  noch gar nichts gab, zog es die Hamburger Jugend in diesen äußerst innovativen Laden, wo man in aller Ruhe stets die neueste Musik auf über 140 Kopfhörern anhören konnte, ohne sie sofort kaufen  zu müssen – ein damals vollkommen neues Konzept. Bernd Dopp machte dort Karriere und konnte sich fünf Jahre später aussuchen, zu welcher Plattenfirma er wechseln wollte. Im März 1984 begann er als Label-Manager bei WEA (Warner, Elektra, Atlantic), dem Vorläufer von Warner Music. Mit den Sisters of Mercy, Guns’n Roses, Prince, Madonna und den Bee Gees feierte er erste Erfolge. Seit 2001 ist er verantwortlich für Deutschland, Österreich und die Schweiz.Sein nächster Schritt auf der Karriereleiter bestand darin, als Präsident aus fünf Unternehmensbereichen Warner Music Germany zu formen, was in eine schwierige Zeit für die Branche fiel. Die Digitalisierung der Musik begann und mit ihr die Zeit, in der Musik illegal konsumiert wurde. „Es war nicht so leicht, eine  legale Tankstelle neben einer illegalen Ölquelle zu betreiben“, sagt der Musikmanager, „es war ja nicht so, dass wir nicht die richtige Antwort gewusst hätten, nur dauerte es mit der Umsetzung. Wir mussten erstmal die rechtlichen Rahmenbedingungen einfordern und die technische Infrastruktur schaffen, weil die Musikbranche als erster Teil der Kreativwirtschaft von der Digitalisierung betroffen war.“ Das hat geklappt: „Wir haben Pionierarbeit geleistet und erleben seit mehreren Jahren einen sich extrem positiv entwickelnden Streaming-Markt.“ Heute, so sagt der Warner-Chef, hat man für den Preis von zwei Latte Macchiato zu jeder Zeit und an jedem Ort Zugriff auf das gesamte Weltmusikarchiv. Bernd Dopp und sein Team haben alle Herausforderungen gemeistert: 2017 war das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte seit 25 Jahren und der Marktanteil von Warner Music konnte in den letzten vier Jahren um sechs Prozent gesteigert werden. Mit Unterstützung des Hamburger Senats ist es Berd Dopp gelungen – trotz sehr attraktiver Angebote aus Berlin – die Firmengeschicke weiter aus Hamburg zu lenken.  Seit elf Jahren hat Warner Music Central Europe nun seinen hochmodernen, kultigen Sitz in einem ehemaligen Kaffeespeicher Am alten Wandrahm in der Speicherstadt. Der Chef von mehreren Hundert Mitarbeitern kann von seinem kleinen Balkon aus auf die Elbphilharmonie schauen, deren Erfolg er begrüßt aber durchaus auch kritisch sieht. „Es muss ein zusätzliches Konzept für die Kreativwirtschaft gefunden werden, sonst wird Berlin Hamburg digital den Rang ablaufen. Allein auf der Elbphilharmonie und dem Reeperbahn Festival darf sich Hamburg nicht ausruhen.“

Für ein anderes Hobby als die Musik hat der Vater von zwei erwachsenen Söhnen  kaum Zeit und so genießt er es am meisten, mit seiner Frau Christiane zuhause am Rothenbaum  Musik zu hören. Schlagzeug, Klarinette und Saxophon hat er selber mal gespielt, aber es hat „auf der anderen Seite des Schreibtisches besser geklappt.“ Lieber vermarktet er den besten Katalog der Welt mit den  legendärsten Künstlern, als sich selber. Das Schönste ist für Bernd Dopp  nach wie vor, wenn er neue Künstler findet, die er nachhaltig zu großem Erfolg führen kann oder auch erfolgreiche  Künstler noch größer zu machen. Für die Förderung junger Künstler braucht es – so Dopp – das richtige Know How, Risikobereitschaft, eine gute Infrastruktur und viel Herzblut. Jeder neue Künstler sei wie ein Start-Up und nur in zehn bis zwanzig Prozent der Fälle stehe am Ende ein echter Star auf der Bühne:  Jüngste Beispiele einer beispiellosen Erfolgsgeschichte für Warner Music: Ed Sheeran, DJ Robin Schulz, Bausa,  Mike Singer oder der gerade mit sechs Grammys ausgezeichnete Bruno Mars. n DG