KOLUMNE

Jörg Munzinger schreibt in seiner Kolumne „#urbnhafencity“ über seine Eindrücke und Beobachtungen in der HafenCity. Seine Leidenschaft sind Immobilien, Architektur und Städtebau. Er wohnt in der HafenCity.

 

Full House - Partytime in der Shanghaiallee (Foto: J. Munzinger)
Full House – Partytime in der Shanghaiallee (Foto: J. Munzinger 

Kritiker, die das Konzept der HafenCity hinterfragen,  setzen gerne beim  Zustand der Ladenflächen an. Zu Recht? Nein, denn wenn eine Fläche lange leer steht oder Läden nach kurzer Zeit wieder schließen, hat dies in der Regel eine wirtschaftliche Ursache. Einerseits sind es völlig überzogene Erwartungen an die Miethöhe, andererseits sind es die unrealistischen  Konzepte von Mietern, die ihre Geschäftsmodelle oft nicht an der wirklich vorhandenen Frequenz von Passanten ausrichten.

Viele Eigentümer der leerstehenden Läden haben aber gar kein Interesse, ihre Flächen zu realistischen, der Frequenz angemessenen Miethöhe anzubieten. Da gibt es den internationalen Immobilienfonds, für den Leerstand in seiner Bilanz besser ist, als ein vermieteter Laden mit reduzierter Miethöhe. Bei der Bewertung von Immobilien führt eine dauerhafte Reduzierung der prognostizierten Mieterwartung zu einem geringeren Immobilienwert.  Dann gibt es noch den osteuropäischen Investor, der  Ladenflächen in der HafenCity als Spekulationsobjekt sieht und auch kein Interesse an der Vermietung mit angemessenen Preisen hat.

Es ist absurd über 30 €/qm Miete in der Shanghaiallee oder in den Warftebenen zu verlangen. Hier braucht man sowohl Konzepte, die mit der vorhandenen Frequenz der Passanten über das Jahr  klarkommen, als auch eine angemessene Miethöhe, die sich erwirtschaften lässt. Wer an der Warft etwas mieten möchte, sollte wahrscheinlich besser nicht mehr als 15€/qm Miete zahlen, denn es gibt auch die 3 Monate im Winter, in denen man besser seinen Laden geschlossen hält.  Und es ist sicher auch keine gute Idee, in der HafenCity noch einen Showroom für Holztische und Elektroroller zu eröffnen. Im Moment schießen sie wie Pilze aus dem Boden und der nächste Leerstand ist hier vorprogrammiert.

„Laden zu vermieten“ – die Schilder der Makler an zugeklebten Schaufenstern sieht man häufig in der HafenCity. Oft hängen sie Monate, manchmal Jahre und vermitteln ein Gefühl, dass Gebäude und Quartier verramscht werden müssen. Die Schilder nützen niemandem, außer dem Makler. Damit wird in der Regel nicht ein neuer Mieter gefunden, nur der Makler hat seine kostenlose Werbefläche in präsenter Lage.

 

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